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Volltext: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 2: Farbenpaletten blau, rot, Index

Erfolg gab, und wurde daher von M ü 11 e r meist als Basis benutzt, der Ko h n 'sehe Satz: 
Sand 100 
Mennige 125 
Pottasche 25 
Kalisalpeter 16.7 
Wie leicht sich basische, alkalifreie Bleisilicate durch Gold färben, zeigt, daß, als Müller 100 Ge- 
wichtstheile Sand mit 258 Gewichtstheilen Mennige und 1 Tausendstel des Gemenges an Gold zu 
sammenschmolz, er ein Glas gewann, das schon beim Ausgießen, direct nach der Schmelze, die 
Farbe eines sehr gedeckten Rothweins hatte, bei nachherigem Anwärmen dann, bis zu dem tiefen Ton 
des Roussilonweins nachdunkelte. Sogar mit 0'0001 Thl. Gold versetzt, lieferte dieses basische Silicat 
noch ein leicht, und mit tiefer Farbe, anlaufendes Glas. 
Von störendstem Einflüsse auf die Bildung des Goldglases ist, selbst bei im Uebrigen guten Gläsern, 
ein Gallegehalt, und beruht dann auch wohl die, sich so häufig wiederholende, Vorschrift, zuerst gold 
freies Glas herzustellen, dieses in Wasser abzuschrecken, und dann erst unter Goldzusatz umzu 
schmelzen, auf früher, praktischer Erkenntniß der Schädlichkeit der in Wasser löslichen gallebilden 
den Neutralsalze. 
Doch selbst wenn der Satz gut gewählt, also ein bleioxydreiches Gemenge, von der Art der auf Straß= 
und Flintglas verarbeiteten, zur Verwendung kommt, und keine Galle vorhanden, ist der Erfolg der 
Schmelze noch kein gesicherter; von größtem Einflüsse auf ihn sind, nach Mü11er’s, mit PohI's Be 
hauptung allerdings wieder contrasirenden Ergebnissen, der Hitzegrad, unddie Dauer der Ein 
wirkung hoher Temperatur während der Schmelze, so wie die Art der Abkühlung der erschmol 
zenen Masse. Hohle Temperatur, derjenigen des schmelzenden Roheisens wenigstens gleich, ist un 
bedingtes Erforderniß, soll das beim Anwärmen Rubin liefernde Glas gerathen. Sowohl beim Ver 
schmelzen als gut erkannter Gemenge in zu niedriger Temperatur, als beim Umschmelzen bereits gut 
gerathenen Goldglases bei einer solchen, erhielt Müller wiederholt „durchgegangenes” „leberiges” 
Glas, das im auffallenden Lichte braun und getrübt, im durchfallenden, in einem weichen Tone von 
Himmelblau erschien, sich somit einer mit Eisenvitriol gefällten Goldlösung im Ansehen ganz ähnlich 
verhielt. Dieses Blau tritt indeß nur in dickeren Glasschichten hervor, dünne Splitter zeigen, nach 
Ebell, unter dem Mikroskop, in durchfallendem Lichte, weder die Farbe, noch eine bestimmte Aus 
scheidung, sondern nur leichte, bräunlich rauchige Trübung, im auffallenden, einen Lichtnebel, und ist 
das Blau daher wohl nur als Interferenzfarbe aufzufassen. Wurde aus einem guten Gemenge herge 
stelltes, leberig ausgefallenes Glas, bei genügender Hitze umgeschmolzen, so lieferte es ein vortreff 
lich anlaufendes farbloses Product. 
Die günstigste Dauer der Schmelze betreffend, lassen sich aus Müller’s Versuchen, da diesel 
ben in kleinem Maßstabe und im Essenofen des Laboratoriums angestellt wurden, für die Praxis im 
Großen keine directen Zeitbestimmungen ableiten, unzweifelhaft geht aber aus ihnen hervor, daß ein 
rasches Niederschmelzen nicht genüge, sondern Glas und Gold, bei entsprechendem, von der Glas 
zusammensetzung unabhängigem, hohem Hitzegrade, geraume Zeit aufeinander einzuwirken Gele 
genheit finden müssen, soll die Goldaufnahme eine gute sein. 
Von gleicher Wichtigkeit, wie andauernd hohe Schmelztemperatur, ist für das Gelingen später gut an 
laufenden Rubinglases, die auf die Schmelze folgende Abkühlung; und zwar fand Müller daß, je ra 
scher diese erfolgte, ein um so günstigeres Resultat geonnen wurde, was wieder mit dem, nach 
Pohl, von den Compositionsbrennern befolgten Verfahren, die Krüge im Ofen langsam erkalten zu 
lassen, nicht im Einklänge zu stehen scheint. Bei langsamer Abkühlung, ergaben mit Gold gesättigte 
Gläser ein, in seiner ganzen Masse getrübtes, undurchsichtig schwarzgraues Product, das beim An 
wärmen nicht anlief, sondern, nach demselben, in dünne Fäden ausgezogen, schmutzig grün er 
schien. Müller’s Auffassung nach, hat sich in diesem Glase das Gold, da die während derAusschei- 
dung herrschende Temperatur nicht mehr zureichte, dasselbe in dichterer Formals braunen Nie 
derschlag zu fällen, im Zustande äußerster Zertheilung schwarz abgeschieden. Nach neueren Un 
tersuchungen P. Ebell's [Dingler's Journal 213 (1874), 500], ist indeß dieses Schwarzwerden, das 
unter Umständen auch in goldfreien, bleireichen Gläsern eintritt, dem Blei zuzuschreiben. Bei Gläsern 
von hohem Bleigehalte konnte diese Erscheinung willkürlich hervorgerufen werden, und löste sich 
dann die, in langsam erkaltetem Glase gewonnene schwarze Trübung, unter dem Mikroskop bei 
300maliger Vergrößerung auf, und ließ neben kreisrunden größeren, eckige kleine, bei durchfallen- 
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