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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 2: Farbenpaletten blau, rot, Index

als für intensive Färbung vollkommen genügend; es erforderte aber ein so geringe Quantitäten Kup 
feroxyd enthaltendes Gemenge sehr aufmerksame Behandlung. Sogar als der Kupferoxydzusatz auf 
5 pro mille gesteigert worden, gaben die gewonnenen Gläser, bei Verwendung von Hammerschlag als 
Reductionsmittel, noch keine gelungenen Schmelzungen, und erst bei 1 Proc. Kupferoxyd gelangte 
Ebell, sowohl mit Hammerschlag (15 Proc.), als mit Zinn (2 Proc.), selbst bei Ersatz des Bleiglases 
durch gewöhnliches Hohlglas, zu regelmäßig günstigem Erfolge. 
Bei Versuchen, den Rubin durch directen Kupferoxydulzusatz zu gewinnen, wurde keine rothe 
Färbung der Masse erhalten; das Oxydul spaltete sich in regulinisch sich abscheidendes Kupfer, 
und die Glasmasse grünfärbendes Oxyd, und nur nach dauernder Einwirkung des schmelzenden Gla 
ses auf das Metall, zeigte sich, um die abgeschiedenen Körner des letzteren herum, typische Rothfär- 
bung, in Form leichter, räumlich sehr beschränkter Aureolen. Wie hier eine locale, so konnte, bei an 
dauerndem Schmelzen, auch eine über die ganze Masse sich erstreckende Rothfärbung gewonnen 
werden, wenn, unter Abschluß aller, möglicher Weise oxydirend wirkenden Einflüsse während der 
Schmelze, dem farblosen Glase fein zertheiltes metallisches Kupfer zugesetzt, und die Masse andau 
ernd hoher Temperatur ausgesetzt wurde. Ueberhauptgilt, nach Ebell, als Regel, daß, unter welcher 
Form immer das Kupfer dem Glase incorporirt werden möge, stets erst nach andauerndem 
Schmelzen guter Rubin gewonnen werden könne, und ist in dieser Beobachtung wohl die Erklärung 
für Bontemps’ Erfahrung, daß wiederholtes Umschmelzen dringendes Erforderniß, zu finden. 
Wie das ähnliche goldhaltige Glas so erscheint, nach Ebell, auch der Kupferrubin, nach vollendeter 
Schmelzung und klarem Flusse rasch abgekühlt, farblos, nach Bontemps fällt er wie oben er 
wähnt wurde, im Großen hergestellt, nach wiederholtem Umschmelzen und Abschrecken gelb bis 
orange aus. Wurden die farblosen Stücke nachträglich auf eine zu ihrem Erweichen genügende Tem 
peratur erhitzt, so entwickelte sich die rothe Farbe in ihnen plötzlich, durch die ganze Masse hindurch. 
Bei raschem Erkalten, im Schmelztiegel des Laboratoriums, wurde das Product meist nicht als farblo 
ses Glas, sondern als, selbst in diesem Gefäß oft sehr verschiedenes Ansehen zeigende, bald leberar 
tige, durchsichtig rothbraune, oder gelbliche, bald hochrothe, bis rothbraune opake Masse, gewonnen. 
Bei Schmelzversuchen mit Gläsern mit steigendem Kupfergehalte, bei denen sich zeigte, daß das Lö 
sungsvermögen des Glases für Kupfer, wenn auch bedeutender, als dasjenige für Gold, so doch im 
merhin ein recht beschränktes ist, gewann E be11 die Ueberzeugung, daß das Verhalten kupferreicher 
und kupferarmer Gläser, wie sie direct aus der Schmelzung hervorgehen, ein ganz analoges, nur 
quantitativ verschiedenes. Es sind die kupferreicheren Gläser mehr zu Ausscheidungen geneigt, und 
fallen daher durchgängig opaker aus, indeß bildet, nach ihm „ein Glas nicht darum Hämatinon, weil es 
mit 4 bis 5 Proc., oder Aventurin, weil es mit 9 Proc. Kupferoxyd geschmolzen, sondern nur, weil diese 
Gläser, nach dem Schmelzen, gewisse Ausscheidungen entwickeln, und diese Ausscheidungen bei 
dem betreffenden Versätze mit Kupferoxyd am besten gelingen.” 
Auch die meisten durchsichtigen kupfergefärbten Rubingläser lassen, bei genauerer Betrachtung, 
leichte Trübungen erkennen, die, im reflectirten Lichte deutlicher hervortretend, unter dem Mikroskope 
als lichter, selbst bei starker Vergrößerung nicht lösbarer Nebel erscheinen. Als ein solcher käuflicher 
Kupferrubin, durch zweistündiges Erwärmen auf die Temperatur eben beginnender Erweichung, ein 
gänzlich verändertes Aeußere angenommen, und nunmehr undurchsichtig braun mit derber Trübung 
geworden war, ließ letztere, unter dem Mikroskop, in durchfallendem Lichte eine deutliche Granulation 
erkennen, die sich, bei reflectirtem Lichte in dicht gelagerte glänzend rothe Pünktchen, die in eine 
durchsichtige Grundmasse von unbestimmter Färbung eingebettet erschienen, auflöste. 
Schon in mit weniger als 1 Proc. Kupferoxyd während der Schmelze versetztem Glase treten, nach er 
folgter Reduction des Oxydes mit Zinn, mitunter opak zinnoberroth gefärbte Streifen oder Punkte her 
vor, es geht die Masse in Pettenkofer’s Hämatinon über. Bei Betrachtung unter dem Mikroskop las 
sen dann diese opakrothen Glaspartien dicht gedrängte hochrothe Ausscheidungen in farbloser 
Grundmasse erkennen, die bei ßOOmaliger Vergrößerung, bei durchfallendem Lichte betrachtet, regel 
mäßige Form, meist quadratische, selten 6= oder ßeckige Projectionen, und sehr nahe übereinstim 
mende Größe aufweisen. In auffallendem Lichte treten die Ausscheidungen schon bei 150facher Ver 
größerung als getrennte feine rothe Punkte hervor, und zeigt sich, bei Anwendung stärkerer Vergröße 
rung, daß die meisten derselben matte rothe Körner, zwischen denen, bedeutend in der Minderzahl, 
gelbe glänzende Flimmer liegen. Nur der Größe der Ausscheidungen nach unterscheidet sich somit 
das mikroskopische Ansehen des opakrothen Glases von dem des lebrig gewordenen Kupferrubins. 
Fallen die Ausscheidungen sehr dicht und ungewöhnlich fein aus, so nimmt hierdurch das kupferhal 
tige Glas eine unansehnliche lehmgelbe Färbung an, auf die weiter unten zurückzukommen sein 
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