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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 2: Farbenpaletten blau, rot, Index

Alois Franz Welz: Die Geschichte der Glasfärbung mit Selen (Typoskript), 1942 
Nach der Erfindung .des Goldrubinglases durch Johann Kunckel im Jahre 1680 erregte wohl keine 
weitere Erfindung einer neuen Glasfarbe ein derartiges Aufsehen, als wie die Glasfärbung mit Selen. 
Der Chemiker Otto Matzialek gab dem Glasfabrikanten Franz Welz in Klostergrab bei Teplitz-Schönau 
ungefähr im Jahre 1890 die Anregung, Selen zum Färben des Glases zu verwenden. Nach vielen 
Schmelzversuchen kam eine schöne rosarote Farbe zum Vorschein. Welz ließ sich am 5.10.1892 die 
Färbung von Kaliglas mit Selenmetall in Wien patentieren. Bald darauf ließ sich der Inhaber einer che 
mischen Fabrik in Erlaa bei Wien, Dr. Spitzer, die Färbung des Glases mit selenigsaurem Natron wie 
überhaupt mit allen Seleniten und Seleniden patentieren. Dieses Patent erwarben gemeinschaftlich 
Welz in Klostergrab und die k.k. priv. Glasfabrik Wilhelm Kralik Sohn in Eleonorenhain, Bohmerwald. 
Beide Fabriken teilten nun in der Folgezeit mit dem Lizensverkauf dieser neuen Glasfärbung alle Aus 
gaben und Einnahmen. Sie erzeugten selbst viele Luxus-Hohlglaswaren in der neuen Farbe die von 
einigen „Lachsrosa“ und von anderen „Cremrose“ genannt wurde. Die mit Welz verwandten Glasfabri 
kanten Josef Riedel in Polaun und „J. Schreiber und Neffen“ in Wien, die Inhaber der Glasfabrik Zomb- 
kowitz in Rußland, konnten Selen kostenlos (ohne Lizenzgebühr) verwenden. Die erste Lizens wurde 
im Oktober 1894 um RM 24 000 - an die sächsische Glasfabrik AG in Radeberg verkauft, womit sich 
diese Firma das alleinige Erzeugungsrecht für ganz Deutschland sicherte. . 
In Klostergrab wurde ein Gemengesatz von: 75 kg Sand, 18 Kg Brüxer Pottasche, 6 Kg Olmutzer Pott 
asche 3 Kg Ammoniak-Soda, 13,5 kg Kalkspat verwendet. Als Farbe kam hinzu: 120g selemgsaures 
Natron und 280g Arsenik. Das Gemenge durfte erst dann eingelegt werden, bis der Ofen recht heiß 
qing. In der Früh durfte das Glas nicht lange blank stehen gelassen werden, da sich sonst die Farbe 
veränderte. Während des Einlegens des Gemenges mußte sorgfältig darauf geachtet werden, daß die 
Flamme auf der entgegengesetzten Seite brannte und nicht rußte. Wenn die Glasfarbe orange, statt 
rose wurde, dann mu ßte etwas weniger Arsenik genommen werden, da nun der Gemengesatz und die 
verwendeten Rohmaterialien in Radeberg andere waren, als wie in Klostergrab, so ließ sich Welz aus 
Radeberg die Rohmaterialien kommen und probierte erstmal in Klostergrab aus, wie die Farbe ausfiel. 
Der Radeberger Gemengesatz für Pressglas bestand aus 180kg Sand 30 kg Pottasche, 25kg Ammo 
niak Soda, 20Kg Marmormehl. Bis der richtige Farbton herauskam dauerte es paar Wochen, dann fu r 
der Neffe von Welz August Breuer nach Radeberg und schmolz dort das farbige Glas ab, womit der 
Herr Commercienrat Wilhelm Hirsch sehr zufrieden war. Im Jahre 1895 wurde die Lizens nach Eng 
land an die Glasfabrik G. Davidson &Co, in Gateshead on Tyne um 1200 Pfund Sterling verkauft. Welz 
fuhr selbst dorthin um die Probeschmelzen vorzunehmen. Das war nicht so einfach. Die Glasofen wur 
den noch nach alter Sitte mit direkter Feuerung geheizt, weshalb das Glas nur in gedeckten Hafen ge 
schmolzen werden konnte. Natürlich war auch der Glassatz viel weicher eingestellt als wie in Kloster- 
qrab Nach einigen Probeschmelzen kam aber die richtige Farbe heraus und Welz konnte mit Pfund 
Sterling reich beladen nach Hause fahren. Welz setzte weitere Schmelzversuche mit allen möglichen 
Selenverbindungen fort, so z.B. mit selenigsaurem Silber und man sagt, wenn er selenigsaure Dia 
manten bekommen hätte so hätte er damit auch Versuche angestellt. Ein Vermögen wurde in die Glas 
schmelzhafen eingelegt, aber es kam auch mit Gewinn wieder heraus. Eine neue Farbe die soge 
nannte Changeant-Farbe entwickelte er aus dem Gemenge 120g Selen und 225g Uranoxyd. Auch das 
ließ er sich patentieren. Durch Zufall kamen sie in der Sächsischen Glasfabrik dahinter, daß sich Selen 
zum Entfärben des Glases viel besser eignet als wie Braunstein oder Nickeloxyd. Sofort heß sich dies 
die sächsische Glasfabrik patentieren und verkaufte Lizensen für die Entfärbung des Glases mit Se 
len so lange, bis ihr das die Glasfabrik in Köln-Ehrenfeld durch ihren Direktor Eduard v. Kralik um 
stürzte. Obzwar die beiden Patentinhaber Kralik und Welz nur je 1000 Gulden pro Lizens von den 
österreichischen Glasfabriken verlangten, so konnten sich nur wenige zum Ankauf dieser Lizens ent 
schließen und versuchten lieber auf alle möglichen Arten die Patente zu umgehen. Hierbei kamen ih 
nen sehr zu statten, daß damals selenigsaures Natron viel billiger war als Selenmetall. Dies war wie 
der ein Anreiz für die chemischen Fabriken die Farbstoffe zu produzieren. Angeboten wurden aber nur 
Selenfritte, Selenleber, Selenschlamm etc. Die Erzeugung von Selenpräparaten war ja nicht durch ein 
Patent geschützt, sondern nur deren Verwendung zum Färben des Glases. 
Die qröbste Patentverletzung beging die Glasfabrik „Josefs Rindkopfs Söhne“ in Kosten bei Teplitz- 
Schönau. Kralik und Welz verklagten sie im Jahre 1902. Diese Firma lebte vom Nachahmen von Far 
ben und Mustern, welche andere Glasfabrikanten erfunden hatten. In einer Glasfabrikantensitzung im 
Frühjahr 1893 schlug einer vor daß sich die Fabrikanten jedweder Nachahmung von Mustern enthai- 
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