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Full text: Farbenglas vom Biedermeier zum Art Déco, 2: Farbenpaletten blau, rot, Index

Stephan Edler von Keeß, Darstellung des Fabriks= und Gewerbswesens im öster 
reichischen Kaiserstaate. Vorzüglich in technischer Beziehung . . Zweyter Theil, 
Zweyter Band, Wien 1823, S. 889,890: 
Die vollkommensten farbigen Gläser sind die Glasflüsse, künstlichen Edelsteine oder 
Amausen, welche entweder durchsichtig oder undurchsichtig gemacht werden. Die Basis der erste- 
ren bildet der Straß, d. i. ein sehr schönes, ungefärbtes, nach seinem Erfinder benanntes Bleyglas, 
welches aus Kieselerde, Kali, Borax, Bleioxyd und zuweilen Arsenik zusammengesetzt wird. Aus die 
sem, womit man den Demant nachzuahmen gesucht hat, macht man die Masse für die gefärbten Edel 
steine .. . Den Straß erhält man aus7 Unzen 24 Grän Bergkrystall, 10 Unzen 7 V2 Quentchen Men 
nig, 3 Unzen 5 V 2 Quentchen und 30 Grän reinem Kali, 3 1 / 2 Quentchen und 24 Grän Borax und 12 
Grän Arsenik, oder aus 6 Unzen 2 Qu. Bergkrystall, 11 U. 5 1 / 2 Qu. 11 Gr. Bleyweiß, 2 U. 1 1 / 2 Qu. Kali 
und 5 Qu. Borax . .. zum Saphir [nimmt man] 8 U. Straß und 1 / 2 Q. 32 Gr. Kobaltoxyd; zum Ame 
thyst 8 U. Straß, V 2 Q. Manganoxyd, 24 Gr. Kobaitoxyd und 1 Gr. Purpur des Cassius; zum Aqua 
marin 6 U. Straß, 24 Gr. Spießglanzglas und 1 V 2 Gr. Kobaltoxyd u. s. w. 
Steph. Ritter von Keeß - W. C. W. Blumenbach (Hrsg.), Systematische Darstellung der 
neuesten Fortschritte in den Gewerben und Manufacturen und des gegenwärtigen 
Zustandes derselben. Als Fortsetzung und Ergänzung des im J. 1823 beendigten 
Werkes: Darstellung des Fabriks= und Gewerbswesens etc. Mit besonderer Rück 
sicht auf den österreichischen Kaiserstaat. Zweyter Band, Wien 1830, S. 678-679: 
Das reinste Nickel, wie man es nach Lang i er's Verfahren erhält, gibt dem Glase immer eine schöne 
Hyacinthfarbe, und diese Farbe ist dem Blau so nahe, daß die geringste Menge Kobalt hinreichend ist, 
um sie in dieses zu verwandeln, daher man das Nickeloxyd für dunkelblau anwenden kann ... 
Das helle oder Türkisblau, weiches das Kupfer den verglasbaren Substanzen ertheilen kann, scheint 
mit der Durchsichtigkeit nicht verträglich zu seyn, weil man es nur dann erhalten kann, wenn der Glas 
fluß entweder zufällig oder durch Zusatz von ein wenig Kalk undurchsichtig wird. Sobald man dem 
Glase diese Undurchsichtigkeit nimmt, und es entweder durch Zusatz von irgend einem Flusse oder 
durch heftiges Feuer durchsichtig macht, nimmt das Blau wieder eine schwache grünliche Farbe an. 
Auch Eisen gibt in heftigem Feuer eine blaue Farbe, wie dieß an vielen Eisenschlacken bemerkbar 
wird. Die Alten haben Eisen zum Blaufärben des Glases angewendet, und man weiß, daß viele Edel 
steine und besonders der Ultramarin ihren Glanz dem Eisen verdanken. 
N. N., Glasflüsse, in:Technologische Encyklopädie, Hrsg. Joh. Jos. Prechtl, Sieben 
ter Band. Glasblasen-Hutmacherkunst, Stuttgart 1836, S. 36,37: 
Blau wird das Glas durch Kobaltoxyd oder Kobaltsilikat (Schmälte, s. Art. Kobalt) gefärbt; der 
Farbeton hängt von der Menge des Oxydes ab, und läßt sich von dem hellsten bis zum dunkelsten va- 
riiren. Man setzt das Oxyd dem Gemenge des Glassatzes zu und schmelzt wie gewöhnlich. Das Ko 
baltoxyd (welches als Oxydul oder blaues Oxyd in die Glasmasse eingeht) hat eine sehr große fär 
bende Kraft; ein Fünftel=Prozent gibt der Glasmasse schon eine blaue Färbung. Für feine Gläser wen 
det man das gereinigte Oxyd an, für gemeinere dient der Z aff er (arsenikhaltiges, noch mit Eisen ver 
unreinigtes Kobaltoxyd). Für diese blauen Gläser wird sowohl das gemeine weiße Glas, und zwar die 
ses am besten, angewendet, als auch das Krystallglas. Ein Zusatz von Braunstein zieht die Farbe in 
das Violette.
	        
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