TAFELMALEREI
Von Karl Garzarolli-Thurnlaekh
Erst im späten Mittelalter hat sich die Tafelmalerei
der Wandmalerei und Plastik gegenüber als erzieherisches
religiöses Element für die breiten, des Lesens
unkundigen, gläubigen Volksmassen im Gotteshause
durchzusetzen vermocht. Sie war an die neuen Altarformen
ebenso gebunden, wie diese an die durch den
Lettner erfolgte Zweiteilung des Hauses, die die lehrende
von der hörenden Kirche schied. War schon am Ende
des 13. Jahrhunderts unter dem von Säulen getragenen
Baldachine des Hochaltares an Stelle der üblichen goldgeschmiedenen
oder plastischen hin und wieder die gemalte
Retabel — eine breite, niedere und zumeist gegliederte
Wand mit Darstellungen der Trinität, aus der
Heilsgeschichte oder aus dem Marien- und Heiligenleben
usw. — als Aufbau über der Mensa in Gebrauch
gekommen, so folgten ihr schon im frühen 14. Jahrhundert
ähnlich geformte, wenngleich kleinere Altar -
retabeln an der westlichen Lettnerwand und am Lettnerumgange,
sowie zweifellos seltener späterhin auch an
den Westseiten der Langhaussäulen oder -Pfeiler in
unseren großen Stiftskirchen und Münstern, wie wir
aus den Weihevermerken der Altäre gelegentlich entnehmen
zu können glauben. Der mystischen Gefühlswelt
des frühen 14. Jahrhunderts entsprach daneben
der, individueller Versenkung und Hingabe entgegenkommende
Tabernakelaltar, der zumeist eine plastische
Gruppe (Madonna mit dem Kinde) in schmalem
Schreine beherbergte und mit bemalten Flügelpaaren
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