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Full text : Entwicklungsgeschichte der Spitze : mit besonderer Rücksicht auf die Spitzen-Sammlung des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien

gesprochene  Venezianer  Reliefspitze.  In  derselben  Sammlung  findet  sich
auch  noch  ein  Bildnis  der  Königin  Marie,  zwischen  1689  und  1694
von  Kaspar  Netscher  gemalt,  mit  gleichfalls  prächtiger  Venezianerspitze
an  Ärmel  und  Kragen.  Überhaupt  scheint  unter  Wilhelm  und  Marie  und
dann  unter  Königin  Anna  in  Spitzen  der  allergrößte  Aufwand  getrieben
worden  zu  sein;  der  König  gab  (nach  Palliser,  S.  298)  im  Jahre  1694
1918  £,  1695—1696  sogar  2459  ,s£ J  19#  für  Spitzen  aus.
Bemerkenswert  ist  das  1695  bezeichnete  Bildnis  des  jungen
Prinzen  Jones  Francis  Edw.  Stuart  und  der  kleinen  Prinzessin  Louisa
Maria  Theresia  Stuart  von  Nicolas  Largilliere  in  den  Uffizien  zu  Florenz;
besonders  fällt  die  mit  reichem,  klarem  Rankenwerke  verzierte  Schürze
auf  (Abbildung  51).
In  den  höheren  Schichten  der  Gesellschaft  hatte  also  auch  in  England ­
  die  Barockidee  in  der  Spitze  gesiegt.
Eine  ziemlich  späte  Darstellung  einer  Venezianer  Reliefspitze  ist
auf  der  Darstellung  der  trauernden  Sigismonda  von  Hogarth  zu  sehen
(National-Gallery  zu  London,  Nr.  1046).
Auf  den  Staatskleidern  selbst  trug  man  unter  Königin  Anna  den
farbigen  sogenannten  »point  d’Espagne«;  Kopftuch  und  Armkrausen
blieben  aber  weiß.
Deutschland  trieb  im  Jahrhunderte  des  großen  Krieges  auf  dem
Spitzengebiete  zum  Teile  zwar  auch  großen  Luxus,  war  aber  begreiflicherweise ­
  dem  Westen  gegenüber  nur  der  empfangende,  nicht  der
gebende  Teil.  Auf  die  einseitige  Ausbildung  der  deutschen  Rankenspitze ­
  ist  übrigens  bereits  hingewiesen  worden.
Den  eigentlichen  Norden  Europas  können  wir  wohl  nur  von  hall
zu  Fall  im  Zusammenhänge  mit  den  Niederlanden  und  auch  mit  Deutschland ­
  betrachten.  Ganz  kurz  sei  nur  darauf  hingewiesen,  daß  schon  im
Jahre  1712  Brabanter  Frauen  zur  Hebung  der  Spitzenindustrie  nach
Tondern  (Schleswig)  berufen  wurden.  Auch  die  skandinavische  Spitzenerzeugung ­
  ist  jedenfalls  größtenteils  von  niederländischen  Anregungen
ausgegangen.

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