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Full text : Entwicklungsgeschichte der Spitze : mit besonderer Rücksicht auf die Spitzen-Sammlung des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien

III.  DIE  NORDISCHE  SPITZE.
A.  DIE  AUFGELÖSTE  BAROCKSPITZE  UND  DIE  GRUNDNETZSPITZE. ­

In  der  beabsichtigten  Wirkung  unterschieden  sich  die  französischen ­
  Spitzen,  wie  wir  gesehen  haben,  zunächst  keineswegs  von  den
venezianischen.
Der  erwähnte  Stich  von  Le  Pautre  v.  J.  1676,  der  eine  Dame  im
Morgengewande  darstellt,  zeigt  eine  prächtige  Spitze  noch  ganz  in  italienischer ­
  Art,  ebenso  die  Statue  Louvois’  von  Girardon  in  Versailles
und  manches  andere  Werk.
Allmählich  macht  sich  aber  doch  der  eigenartig  nordisch-französische ­
  Geist,  wie  auf  allen  Gebieten  der  eingeführten  italienischen  Kunst,
so  auch  auf  dem  der  Spitze,  stärker  geltend.
Denn  wir  dürfen  nicht  vergessen,  daß  Frankreich  sozusagen  die
Vermittlung  vom  Süden  zum  Norden  Europas  und  von  der  romanischen
zur  germanischen  Welt  bildet;  es  ist  zwar  auch  durch  die  Alpen  von
Italien  geschieden,  aber  doch  durch  kein  so  breites  Band  wie  Deutschland, ­
  und  vor  allem  hat  es  auch  selbst  Anteil  am  Süden,  von  dem  es
sich  dann  ohne  allzu  scharfe  Trennung  nach  dem  Norden  hinzieht.
Anderseits  ist  aber  auch  die  Verbindung  mit  der  germanisch-protestantischen ­
  Welt  immer  sehr  eng  gewesen;  Nordfrankreich  war  auch
selbst  reichlich  mit  Blut-  und  Kulturelementen,  die  von  dort  her  stammten,
durchsetzt.  Und  die  Völker  des  Nordens  hatten  im  Mittelalter  eine  eigentümliche ­
  Kulturblüte  erreicht,  die  auch  in  der  Kunst  ihren  sinnfälligen
Ausdruck  gefunden  hat.

Wir  haben  aber  schon  oben  daran  erinnert,  daß  die  Erschütterung  des
mittelalterlichen  Strebens  nach  dem  unbedingt  Einheitlichen,  das  Vortreten ­
  der  freien  Forschung,  der  Sieg  sozusagen  des  Denkens  undZweifelns

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