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Aber auch die »griechischen Spitzen« und die noch zu besprechenden
Ragusaner Spitzen (vgl. Seite ioi) sind wohl durch eine solche
frühe Beeinflussung und Entwicklung zu erklären.
Es ist jedoch bemerkenswert — und läßt sich mit früher Entstehung
wohl vereinen — daß alle die erwähnten östlichen Arbeiten, soweit wir sie
als wirklich volkstümlich ansehen können, einfache geometrische Formen,
wie sie die Arbeit selbst bei primitivem Schmucktriebe entstehen läßt und
begünstigt, zur Grundlage haben. Es sind dies die Formen, die man in
fast allen Büchern über die Spitze als »gothische Spitzen« bezeichnet
findet; einen irreführenderen Ausdruck kann man sich aber kaum vorstellen.
Bezeichnenderweise hat die spätere großartige Weiterentwicklung
der europäischen Spitze auf die orientalischen Länder fast gar keinen
Einfluß ausgeübt. Auch ist der Orient in viel höherem Maße als Europa
bei der farbigen Randverzierung geblieben; es steht diese eben immer in
engster Verbindung mit dem inneren Schmuck des Linnens oder sonstigen
Stoffstückes und dieser innere Schmuck ist im Oriente ja fast immer bunt
geblieben.
So haben die bunten Stäbchen-, Bogen- und Zackenbesätze, meist
in Seide mit der Nadel gearbeitet, die heute noch bei bosnischen und
anderen Arbeiten in sehr primitiven Formen Vorkommen, immer das
Feld behauptet und gehen dann im späteren 18. Jahrhunderte, als die
Kunst des näheren Orientes, nicht ohne Einfluß der europäischen, naturalistischer
wird, ziemlich unvermittelt in sehr krassen Naturalismus über.
Die morgenländischen Spitzenbesätze wachsen so zu selbständigen
Pflanzen in Blumen oder Baumform heran; zumeist sind sie bunt und mit
der jeweiligen Innenstickerei in der Farbe übereinstimmend. Als Material
haben wir für diese Art nur Seide gefunden.
Ein marokkanisches Tuch aus Dünnstoff (Nr. 5018 der Sammlung
des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie), mit
Hirschen, Vögeln und Blumen bestickt, hat einen schmalen, vorstehenden
Luftsaum aus violetter und weißer Seide, woran in Abständen von 3 bis
4 cm kleine Blümchen in den gleichen Farben angebracht sind; das
Stück ist etwa in der Mitte des vorigen Jahrhunderts gearbeitet, zeigt
aber einen älteren Typus.
Reicher und naturalistischer ausgebildet sind die Randbesätze
dreier Battisttücher, die vielleicht in Syrien, Kleinasien, Armenien
oder auf den griechisch-türkischen Inseln um 1800 entstanden sind. Die
Innenstickerei, durchaus doppelseitig in Seide, läßt in ihrer ganzen Art
über die Herkunft aus jenen Gegenden keinen Zweifel aufkommen.
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