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Full text: Entwicklungsgeschichte der Spitze : mit besonderer Rücksicht auf die Spitzen-Sammlung des k. k. österreichischen Museums für Kunst und Industrie in Wien

bindung mit solchen Stoffen erscheinen häufig kurze dichte Fransen, nicht 
selten gruppenweise nach verschiedenen Farben geordnet. Alte Beispiele 
dafür sind die Kirchengewänder des Bischofs Nikita, der 1167 verstarb 
(vgl. Wharton B. Marriots »Vestiarium Christianum«, London, 1868), und 
einzelne Stücke aus dem 13. Jahrhunderte (vgl. »Anciens Vetements 
sacerdotaux« von Charles de Linas, Paris, 1860); übrigens hat auch die 
Sammlung des Österreichischen Museums mehrere Beispiele dieser Art 
aufzuweisen. 
Solche einfache, dichte Fransen, meist aus Seide, haben sich bis 
weit, in das 17. Jahrhundert hinein erhalten und sind heute noch im 
Morgenlande vielfach im Brauch. Doch können wir uns auf die weitere 
Entwicklung dieser Kunstform hier nicht einlassen; denn wir gelangten 
alsbald in das Gebiet der eigentlichen Posamenterie, die ebendort an 
hebt, wo reichere Faden Verschlingung zum Schmucke bunter Stoffe 
Verwendung findet. 
Mehr Verwandtschaft mit der eigentlichen Spitze zeigen die 
einfarbigen Goldfransen, die besonders im späteren Mittelalter üblich 
werden. Einfach geflochten oder geknüpft finden sie sich unter anderem 
auf zwei Bildern des 15. Jahrhunderts in der Dresdener Galerie: an der 
Schärpe eines Königs auf der »Anbetung der Könige« (Nr. 1963) und 
auf einem Bilde vom »Meister des Todes Mariae« (Nr. 1962), in beiden 
Fällen nur wie eine Zugabe zu den reichen Goldstickereien. Sehr 
prächtiges und kunstvolles Flechtwerk mit Knotungen, Zäckchen und 
Fransen zeigt die Altardecke einer »Darstellung im Tempel« in der Art 
des Hendrik Bles (Dresdener Galerie, Nr. 806A); die Farben, Grüngrau 
und Gold, entsprechen wieder der Stickerei im Innern der Decke. 
Auch das Erzbild Rudolfs IV. am Grabe Kaiser Maximilians in 
Innsbruck trägt unter den Knien reiche Verzierungen, die wohl auf 
dieses Gebiet gehören. 
Wichtiger für uns ist aber die ganz einfache Fransenknüpferei, wie 
sie an Leinenstoffen geübt wurde; denn hier ist der gemeinsame Ursprung 
mit der späteren Spitze noch deutlich zu erkennen. Vor allem waren es 
Tisch- und Handtücher, an denen man im späteren Mittelalter mehr oder 
minder kunstvolle Formen entwickelte. 
Eine Darstellung der »Beschneidung Christi«, dem Rogier van 
Weyden zugeschrieben, im Brüsseler Museum (Nr. 59) zeigt an einem 
blauverzierten Tischtuche an den Enden quer übereinander geknüpfte 
Fransen, wobei die Enden paarweise herabhängen. Ein reicheres 
Muster erscheint auf einem Bilde von Barend van Orley in derselben 
Sammlung (Nr. 44) und auf einem älteren von Memling in St. Jean zu 
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