JOSEF STORCK
Josef Storck (geb. am 22. 4.1830 in Wien, gest. am 27. 3.1902 in Wien) war zeitweise
einer der engsten Mitarbeiter Ludwig Lobmeyrs.
Ein Nachruf in „Kunst und Kunsthandwerk“ (1902, S. 216-217) verzeichnet - bei weitem
ausführlicher als Thieme-Becker - sein Leben und Werk, sodaß diese (anonyme)
Würdigung hier vollinhaltlich wiedergegeben sei:
„Am 27. März 1902 starb in seinem Künstlerheim auf der Hohen Warte der ehemalige
Direktor der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums für Kunst und
Industrie Hofrat Josef Ritter v. Storck. Storck wurde am 22. April 1830 zu Wien geboren.
Ursprünglich zum Blumenmaler und Manufakturzeichner bestimmt, war er zunächst
Schüler Wegmayrs, Bongiovannis und Grubers. Im Jahre 1847 in die Akademie einge
treten, erhielt er bereits 1849 drei erste Preise für Arbeiten in dem Fache der Orna
mentik und der Blumenmalerei. Seine Arbeiten erregten die Aufmerksamkeit der
Professoren Van der Nüll und Siccardsburg, deren Schüler er hierauf an der k.k.
Akademie der bildenden Künste wurde. Im Atelier seiner Lehrer und unter ihrer Leitung
war er hervorragend an der inneren Ausschmückung der Alt-Lerchenfelderkirche und
bei der Innendekoration der Ruhmeshalle im Arsenale beschäftigt. Eine ausseror
dentlich reiche Gelegenheit zur Entfaltung seines dekorativen Talents bot ihm der Bau
des neuen Opernhauses, auf dessen Innendekoration er massgebenden Einfluss
nahm und den er nach dem Tode Siccardsburgs und Van der Nülls mit seinem Kollegen
Gugitz vollendete. Die Mappen der Handzeichnungen des Österreichischen Museums
enthalten manche Aufnahme hervorragender Gegenstände, die Storck als Zeichner
und Korrespondent dieses Institutes damals angefertigt hat und die den brillanten
Zeichner aus der Schule Van der Nülls zeigen.
Den Lehrberuf begann Storck bereits 1855. Er hatte während der Abwesenheit seines
Meisters Van der Nüll, der als österreichischer Regierungskommissär und als Jury
mitglied der Weltausstellung in Paris weilte, diesem an der Akademie in Wien zu
supplieren. Im September 1856 übernahm er, neben seiner Tätigkeit im Atelier Van der
Nülls, die Stelle eines Zeichenlehrers an der vom Niederösterreichischen Gewerbever
eine gleiteten Zeichenschule, und vom Beginne des Schuljahres 1862/63 ab leitete er
in der Stellung eines Supplenten selbständig den Unterricht im .Freien Handzeichnen
nach Gipsabgüssen architektonischer und dekorativer Details' an der Akademie der
bildenden Künste, zu deren wirklichem Mitgliede er inzwischen ernannt worden war,
bis zum Jahre 1866. Zu dieser Zeit wurde ihm die Dozentur für Ornamentik und Orna-
mentenzeichnen an dem k.k. polytechnischen Institute übertragen, die er bis zum
Jahre 1877 innehatte.
1868 erfolgte die Gründung der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen
Museums, an die Storck damals als Professor berufen und deren Einrichtung und
Leitung ihm zunächst übergeben wurde. Abwechselnd mit Laufberger, Sturm und
Rieserführte Storck auch zu wiederholtenmalen das Direktorat dieser Anstalt, bis er im
Jahre 1889, bei der Reorganisierung der Kunstgewerbeschule, zu deren ständigem
Direktor ernannt wurde. Im Jahre 1899 trat Storck nach mehr als 30jährigerTätigkeit im
Lehramte in den Ruhestand.
Storcks Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten fand während dieser langen Zeit
mancherlei Anerkennung. Er wurde zum Regierungsrate, später zum Hofrate ernannt
und in den österreichischen Ritterstand erhoben. Die Stadt Wien ehrte ihn durch die
Verleihung des taxfreien Bürgerrechtes. An Auszeichnungen besass er das Komtur
kreuz des Franz Josef-Ordens mit dem Stern und den Orden der Eisernen Krone
III.KIasse. Er war ferner Ritter des königlichen Verdienst-Ordens der Bayerischen Krone
und des königlich bayerischen Verdienst-Ordens vom heiligen Michael II. Klasse, Kom-
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