OPAKES, HALBOPAKES UND TRANSPARENTES FARBENGLAS
Die Beurteilung des Kristallglases, des opaken, halbopaken oder transparenten Far
benglases war immer höchst unterschiedlich.
„Lobmeyr“ - anerkennt Jacob Falke anläßlich der Pariser Weltausstellung 1867 - „hat
den falschen Triumphen des farbigen und bemalten Glases entsagt und allen Nach
druck auf die künstlerische Gestaltung und Verwerthung des klaren Krystallglases
gelegt“ (Mitth. 2/1867-69, S. 52). „Wir wollen damit dem farbigen Glase für Luxus-
geräth principiell durchaus nicht den Stab brechen, aber wenn dasselbe heute noch
Bestand haben will, so muss es jedenfalls anders werden, als es ist. Selbst das Beste in
dieser Art, was die österreichische Abtheilung der Weltausstellung darbietet, ist vor ei
ner strengen Kritik verwerflich. Als zum besten gehörig betrachten wir z.B. die grossen
blassrothen Vasen der Fabrik ,Meyers Neffen', die wegen der Reinheit der Farbe bei
solcher Grösse die Bewunderung der Kenner bilden und deren Malerei, selbst mit den
gewöhnlichen Arbeiten in diesem Genre verglichen, eine sehr vorzügliche ist. So
vorzüglich sie aber auch sein mag, zum Werthe und zur Höhe eines wirklichen Kunst
werkes erhebt sie sich doch nicht. Das Schlimmste aber ist, wir wüssten uns wirklich
kein geschmackvoll decorirtes und eingerichtetes Zimmer zu denken, in welchem die
se Vasen nicht mit ihrem blassen Rosa die Harmonie zerstören würden. Alle Kunst und
Geschicklichkeit kann hier decorativ - und das ist der allein richtige Standpunkt - das
nicht erreichen, was die italienischen Majoliken mit ihrem satten Colorit trotz der hand-
werksmässigen Malerei leisten. Schlimmer noch steht es mit jenen bemalten Ge-
fässen, bei denen durch stumpfe, deckende und noch dazu grell zusammengestellte
Farben das Durchsichtige und Durchscheinende des Glases vollständig getödtet ist,
das Glas hat künstlerisch aufgehört zu sein, was es ist, um schnöden Putzes willen.
Auch jene zweifarbigen Gefässe aus Ueberfangglas, bei denen die Ornamentation
durch Herausschleifen der oberen Schichte entsteht, sind tadelnswürdig, weil die
Farben zu hart aufeinander stossen und der Blick, anstatt der Hauptform zu folgen, nur
die Linien des Ornamentes beachtet, welche die Form zerschneiden. Was sollen wir
aber von dem sogenannten Eisglas sagen, das sich absichtlich bemüht alle eigen-
thümlichen Reize des Glases geradezu zunichte zu machen, oder dem marmorartigen
Glase, das eine falsche Imitation verfolgt! Solche Decorationsweisen haben kein Recht
mitzusprechen, wo von Kunst in der Industrie die Rede ist.“ (Mitth. 2/1867-69,
S. 53-54). Welch hartes Urteil! Die meisten dieser damals von Falke verdammten Glas
arten - ebenso wie das von manchen anfangs mißachtete irisierende Glas - haben im
Jugendstil, manche auch schon vorher, Triumphe gefeiert: vom sogenannten Zier
saumglas mit dem geschliffenen mehrfachen Überfang über das Eisglas bis zum
Lüsterglas. Sollte uns dies nicht lehren, vorurteilslos zu schauen, um besondere Quali
täten ohne Voreingenommenheiten erkennen zu können? Der Mut zum eigenen Quali
tätsbewußtsein und Geschmack hilft uns, wie ich glaube, gerade heute beim Sammeln
und Bewerten des so lange in Bausch und Bogen verachteten Historismus-Glases.
Sicher zählt das massenweise schlechte Imitieren zu den Schattenseiten derGlaspro-
duktion im 19. Jahrhundert, doch entstanden damals auch Kunstgläser, die keinen
Vergleich mit früheren oder späteren Epochen zu scheuen haben.
Ludwig Lobmeyr gehörte zu jenen, die sich ständig an Neuem versuchten und auch
von Rückschlägen nicht abschrecken ließen. In seiner Autobiographie berichtet er
mehrfach von - seiner Ansicht nach - mißglückten Versuchen: von einer Vasenserie in
Imitation antiker Tongefäße und von Gläsern, die in Anlehnung an die indischen „Bidri“-
Metallgefäße entstanden: Da nun meine Bemühungen sich im Ganzen auch lohn
ten, konnte ich Manches versuchen und brauchte mich nicht zu grämen, wenn Einiges
fehlschlug. So zeichnete u.A. Meister Hansen einmal eine Anzahl Vasen, Schalen
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