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Full text: Glas 1905 - 1925 : vom Jugendstil zum Art Deco, Band 1

VORWORT 
Die vorliegende Publikation ist der erste Teil eines zweibändig geplanten Kataloges, der 
den Gesamtbestand aller Gläser aus der Zelt von 1905 bis 1925 umfassen wird, die sich 
im Österreichischen Museum für angewandte Kunst befinden. 
Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Gläser aus der österreichisch-ungarischen 
Monarchie bzw. - nach dem Ersten Weltkrieg - aus Österreich und der Tschechoslova- 
kei. 
Bemerkenswerte Objekte aus dem Steiermärkischen Landesmuseum Joanneum (Abtei 
lung für Kunstgewerbe) bilden eine wertvolle Bereicherung der Ausstellung. Privatleih 
gaben wurden nur in Ausnahmefällen aufgenommen. 
Die obere und untere Zeitgrenze (1905 und 1925) wurde bewußt gewählt; wird doch die 
Glasproduktion jener zwei Jahrzehnte noch viel zu wenig beachtet und ist - da noch mit 
keinem einprägsamen Stilbegriff bedacht - namenlos, allenfalls entweder dem Jugend 
stil oder dem Art Deco beigegeben. Viele Publikationen über Jugendstil schließen die 
Jahre bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein (so auch mein „Glas des Jugend 
stils, Wien“, 1973 erschienen); die Jahre von 1914 bis 1918 werden fälschlicherweise, 
aber nicht selten, als ein kriegsbedingtes Vakuum angesehen, und das Art Deco läßt 
man bestenfalls mit den Zwanziger Jahren beginnen, wiewohl aufmerksame Forscher 
vereinzelt auf wesentlich früher auftretende Phänomene eines Art Deco-Stils verweisen. 
Auf diesen Fragenkomplex ging ich bereits in meiner Publikation „Wiener Werkstätte - 
Avantgarde, Art Deco, Industrial Design“ (Wien 1984) ein. 
Ein berechtigtes Unbehagen gegenüber Vereinfachungstendenzen lassen für die Zu 
kunft eine vorurteilslose Einschätzung jener Jahrzehnte erhoffen, die vor jener Pariser 
Ausstellung von 1925 liegen, welche dem Art Deco seinen Namen gab. 
Die Glassammlung des Österreichischen Museums für angewandte Kunst, wie jede 
Sammlung in ihren einzelnen Schwerpunktenverschieden gewichtet, ist dies besonders 
in der Zeit von 1905-1925, da der Aspekt des Internationalen fast völlig fehlt. Dies ist 
heute nur scheinbar ein Manko, denn vermutlich gibt es derzeit weltweit keine zweite 
derart umfassende Sammlung dieser spezifischen Art. Seit dem Jahr 1979, in dem ich 
die Leitung der Sammlung von Glas und Keramik übernehmen durfte, war ich bestrebt, 
diesen einmaligen Bestand abzurunden, und dies gelang im Zuge einer Sammlungspoli 
tik, die Ankäufe, Widmungen und Dauerleihgaben einschloß, um das gesteckte Ziel zu 
erreichen. 
Da die Besonderheit des Vorgefundenen Bestandes in seiner gesicherten Provenienz 
lag, mußten auch die Neuerwerbungen diesen strengen Ansprüchen genügen. Waren 
durch zeitgenössische Ankäufe die wichtigsten Daten (Erwerbsjahr, Verkäufer, Glasfa 
brik, Entwerfer etc.) zwar nicht immer ganz vollständig, aber doch im wesentlichen vor 
handen, so war für Neuerwerbungen die Provenienz einwandfrei zu belegen. 
Nach der weitreichenden Sammeltätigkeit des Museums um die Jahrhundertwende ist 
in den Jahren von 1905 bis 1910 eine auffallende Zurückhaltung beim Ankauf von zeitge 
nössischem Glas festzustellen. Wie viele Gläser der vorangegangenen zwanzig Jahre 
das Österreichische Museum im Jahr 1925 besaß, wird in gewisser Weise immer eine 
Dunkelziffer bleiben, da die Nachinventarisierungen späterer Zeit beweisen, daß man et 
liche Objekte ursprünglich nicht einmal in die Inventare aufnahm. Nachprüfbare Eintra 
gungen ergeben, daß von den seinerzeit nachweislich vorhandenen Objekten relativ we 
nige fehlen (Kriegsverluste etc.). Wenn möglich, wurden Abbildungen solcher Stücke 
ebenfalls in den Katalog aufgenommen. 
Dieser ist wegen der Fülle des Materials zweigeteilt: der erste Band umfaßt Glas mit 
Schliff, der zweite wird dem übrigen Bereich gewidmet sein (Glas mit Beize, Ätzung, 
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