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Abb. 50. Zwerg aus Jacques Callots „Varie figure Gobbi”, Reproduktion aus: Paul Pierre Plan,
Jacques Callot 1911, Nr. 316
Den Violinspieler (Farbabb. 8, S. 23; Abb. 50, 51) können wir sowohl in der Callot’schen
Graphik als auch in drei Porzellanbeispielen vor Augen führen: „Wie bei den andern Blättern
Zwergengestalt und großer Kopf, von groteskem Federhut bedeckt. Das Gesicht ist eine
Eulenmaske, Kinn vom Arm überschnitten, so daß nur die knopfrunden Augen und die lang
herabgezogene Nase, ein Mittelding von Schnabel und Rüssel, zur Wirkung kommt. Außer
der Komik der Gestalt durch die Kleinheit und durch die Maskenhaftigkeit des Gesichtes ein
lächerlicher Gegensatz zwischen dem Attribut und seinem Träger: ein Symbol der schönen
Künste in der Hand eines mißgeborenen Geschöpfes” - so sieht Pollhammer das Karikatur
hafte in diesem Zwerg (Pollhammer 1925, S. 24). Meaume beschreibt ihn ohne solche
Interpretation: „759. Le Jouleur de violon. II est coiffe d’un chapeau, dont le large bord, replie
ä gauche, deploie ä droite son extremite dechiree. II joue du violon en tenant son archet de la
main gauche. II porte ä droite un petit sabre court dont la pointe pend entre ses jambes”
(Meaume 1860, S. 362, Nr. 759).
Der Geiger, den Callot bestimmt in der seitenrichtigen Handhabung von Bogen und Geige
skizzierte, mußte in der Radierung notwendigerweise seitenverkehrt erscheinen, d.h. erführt
den Bogen mit der linken statt mit der rechten Hand und greift mit der rechten statt mit der lin
ken Hand. Ein ebenfalls letztlich auf Callot zurückgehender Geiger in einem alten Katalog der
Firma Carl Thieme in Potschappel bei Dresden spielt hingegen seitenrichtig und scheint damit
den Beweis zu erbringen, daß er auf einem Nachstich nach Callot basiert; durch einen sol
chen Nachstich wurde die Handhaltung sozusagen wieder „ins richtige Lot” gebracht, wozu
allerdings diese doppelte Umkehrung von der Zeichnung über den Stich zum Nachstich nötig
war.
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