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Abb. 51. Zwerg, Eckert & Co., Volkstedt, Ende 19.
Jhdt.; gefälschter unterglasurblauer Bindenschild, ein
geritzte Nummer 1774; H 8,8 cm. - Wiener Privatbesitz
Gerade beim Vergleich der Porzellanfiguren gegenüber der Graphik ist anzumerken, daß
sich das Unheimliche des Gesichtes und das Bedrohliche des Gesamteindrucks im Graphi
schen in der Porzellanplastik in ein Musizieren verwandelt hat, das mehr von bärbeißiger
Derbheit als von Dämonie an sich hat.
Betrachtet man die drei Porzellanfiguren (Farbabb. 8, S. 23) und ihre Beziehung zueinander,
so ist anzumerken, daß der weiße und der mittlere, bemalte Zwerg einander ähnlicher in der
Modellierung sind als die beiden bemalten Zwerge zueinander. Der rechts stehende, bemalte
Zwerg ist im Detail nicht so gut ausgearbeitet und läßt manche Feinheiten auch in der Staffie-
rung vermissen.
Bei allen dreien ist gegenüber der graphischen Vorlage wieder der Hutschmuck abgeändert.
Auch beim Drehleierspieler hat der Porzellanmodelleur die nach vorne fallenden Federn
weggelassen (Abb. 52,53,54); sie wären sicher zu fragil für eine Ausformung in Porzellan ge
wesen.
Diese Graphik finden wir bei Meaume ebenfalls wieder: ,,Le Joueur de vielle. II est vu detrois
quarts, dirige ä droite, coiffe d’une calotte recouverte d’un bonnet d’oü s’echappent deux
plumes retombant ä droite. II tourne de la main droite la manivelle de sa vielle dont il joue de la
main gauche” (Meaume 1860, S. 363, Nr. 762).
Der Sockel trägt auf der glasierten Unterseite den gefälschten, unterglasurblauen Binden
schild mit der eingeritzten Zahl 1774 (Abb. 55).
Jacques Callots Zwergenfiguren fanden aber nicht nur Eingang in die Plastik; im ehemaligen
Winterpalais des Prinzen Eugen in Wien (heute Finanzministerium, Wien 3, Himmelpfortgas-
se) werden die grotesken Malereien mit Zwergenfiguren Drentwett zugeschrieben; zweimal
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