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Volltext: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

Man wird verstehen, daß ich immer wieder versuchte, solche Funde in Manuskript und Abbil 
dungsteil des schon zur Ausstellung „Wiener Porzellan - echt oder gefälscht?” geplanten 
Buches einzuarbeiten. Kaum schien ein Kapitel abgeschlossen, tauchten neue, unerwartete 
Fälschungen auf, sodaß ich ständig vor der Qual der Wahl stand, das Buch entweder ohne 
diese Funde abzuschließen oder diese doch noch einzuarbeiten und damit eine weitere Ver 
zögerung des Erscheinungstermins in Kauf zu nehmen. Es handelt sich ja bei einer wichtigen 
Fälschung meist nicht nur um ein weiteres Bild, mit dem man den Illustrationsteil eines 
Buches bereichert, sondern oft auch um das letzte fehlende Glied einer Kette oder, bildlich 
gesprochen, um das lang gesuchte Steinchen, das 6rst das vollständige Mosaik ergibt. 
Solche Entdeckungen kommen meist unerwartet und erhellen Zusammenhänge, die sonst 
rätselhaft blieben. Ich darf hier vor allem auf das Kapitel über Zwerge und Bettler verweisen, 
in dem die Frage der Provenienz vieler Fälschungen aufgeworfen und, wie ich hoffe, zu 
friedenstellend geklärt wird. 
Unser Museumspublikum zeigte während der genannten Ausstellungen eine solche Wißbe- 
gierde, daß wir uns zur Abhaltung von Spezialseminaren entschlossen. Mein Kollege, akad. 
Restaurator Oberrat Ludwig Neustifter, befaßte sich dabei mit Technologie und Restaurie 
rung von Porzellan, ich widmete mich den Themen „Wiener Porzellan - echt odergefälscht?” 
und „Meißener Marken”. Der Ansturm zu diesen Seminaren war so groß, daß wir uns ent 
schlossen, erstmals im Oktober 1979 mit „Abendvorlesungen” am österreichischen Museum 
für angewandte Kunst (jeden Donnerstag 17.30-19.00 Uhr) zu beginnen. 
Die Publikationen, die als Arbeitsunterlagen für diese Seminare erschienen („Der Binden 
schild als Porzellanmarke”, Wien 1976; „Meißener Marken - Original, Imitation, Verfäl 
schung, Fälschung”, Wien 1977) waren sehr rasch vergriffen. Weitere Auflagen sind bereits 
erschienen bzw. in Vorbereitung. Die Fertigstellung meiner Arbeit über gefälschtes Wiener 
Porzellan war nun nicht länger aufzuschieben. 
Zielsetzung des vorliegenden Buches ist es, ein wenig Licht in die große Dunkelzone von Fäl 
schungen und Verfälschungen zu bringen und dem Interessenten eine erste Basis für seine 
eigenen Nachforschungen zu geben. Deshalb ist auch der Abbildungsteil sehr reichhaltig und 
umfaßt neben vielen Details zahlreiche Markenabbildungen. Die Einleitung geht auf die Be 
griffe Kunstfälschung, Kunstverfälschung und Kunstbetrug ein und versucht, gewisse Regeln 
zum Erkennen von gefälschtem Wiener Porzellan aufzustellen. Das Kapitel über die Kenn 
zeichnung von Wiener Porzellan ist bewußt dreisprachig gehalten, um das weltweit aktuelle 
Problem der Porzellanfälschung einem internationalen Leserkreis zugänglich zu machen. 
Kopien, Fälschungen und Verfälschungen werden dann in den zwei großen Abteilungen 
„Porzellanfiguren” bzw. „Tafelgeschirr und -gerät” abgehandelt. Anschließend werden 
technische Fragen, vor allem die der mechanischen Vervielfältigung durch Umdruck, Abzieh 
bild und Photographie auf Porzellan, angeschnitten. 
Die Veröffentlichung der Mitarbeiterkennzeichen auf Wiener Porzellan bringt den neuesten 
Stand der Forschung. Aufgrund jüngster Archivfunde sind alle bisher erschienenen Zu 
sammenstellungen überholt, ausgenommen das kleine Büchlein „Neuwirth Markenlexikon 
Nr. 4”, das diese Mitarbeiterkennzeichen handlich zusammenfaßt. Eine Erstveröffentlichung 
stellen die vollständig publizierten Masse-, Glasur- und Farbrezepte der Wiener Por 
zellanmanufaktur dar, die von ca. 1790 bis ca. 1820 reichen. 
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