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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

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Abb. 131. Knabe mit Blütengirlande, Stab und linke 
Hand bestoßen; gefälschter unterglasurblauer Binden 
schild, eingeritzt: 814; H12,9 cm. - Wiener Privatbesitz 
Abb. 132. Pärchen, nach einem Meißener Modell des 
18. Jhdts. vermutlich im 19. Jhdt. ausgeformt; gefälsch 
ter unterglasurblauer Bindenschild; H 12,9 cm. - 
Wiener Privatbesitz 
Neigung des Kopfes, die Draperie - all dies sind vergleichbare Formelemente. Während die 
reiche Gewandbildung der Meißener Figur gleichzeitig die Basis für das rechteckige 
Postament bildet, fällt bei der mit dem Bindenschild gemarkten Fälschung der Stoff bis zum 
rechteckigen, goldgerahmten Sockel herab und stützt gleichzeitig die Figur ab. 
Die Meißener Herme der Sammlung Dasch ist das unserer Figur ähnlichste Meißener Modell, 
das ich finden konnte; sehr wahrscheinlich war das Vorbild unserer „Flora“ jedoch eine 
Ausformung, die ebenfalls ganzfigurig und nicht als Herme gestaltet war, vielleicht ein Modell 
aus der Hand Elias Meyers, der die „Fünf Sinne“ schuf. 
Miteinander verwandt scheinen zwei Fälschungen (Abb. 131, 132), doch war nur für das 
Pärchen (Abb. 132) eine Meißener Vorlage auffindbar. Das Vorbild für den Knaben mit Stab 
und Blütengirlande (Abb. 131) konnte ich noch nicht eruieren. Die Figur steht auf einem leicht 
gewölbten Sockel mit goldgehöhten Rocaillen; als Stütze dient ein Baumstamm. Der Stab in 
der rechten erhobenen Hand ist abgebrochen, auch an der herabhängenden linken Hand 
sind Beschädigungen festzustellen. Die Staffierung scheint typisch für das 19. Jahrhundert 
zu sein. 
Bei dieser Porzellanfigur ist der Nachweis einer Fälschung sehr leicht, da der 
unterglasurblaue Bindenschild von einer sehr großen, vermutlich eingeritzten Nummer 814 
begleitet wird, die auf Wiener Porzellan undenkbar wäre. In der Höhe (13 cm) entspricht das 
Figürchen dem Pärchen (Abb. 132), das mit 12,9 cm Höhe ebenfalls zu den kleinsten mir 
bekannten Gruppen zählt. Ein Meißener Vorbild ist in diesem Fall nachweisbar. Beding 
1911, Taf. 13, Nr. 8, S. 60) bildet ein Meißener Pärchen als „Frühling“ aus einer Jahreszei 
tenserie ab und zeigt auch den Sommer aus dieser Folge; seiner Ansicht nach stammen bei 
de Modelle von Kaendler. 
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