der besten Übersichten über die verschiedensten Ausformungen finden wir in einem Katalog
des Kölner Kunstgewerbemuseums (Erichsen-Firle 1975, S. 119, Nr. 124). Die Krinolinenfi-
gur, auch als „Dame vom Mopsorden“ bezeichnet, wird mit dem Orden der Freimaurer in Zu
sammenhang gebracht; bei Rainer Rückert finden wir die Datierung ins Jahr 1744 durch
Kaendler selbst gestützt (Rückert 1966, S. 168): ,,l Frauen Zimmer, wie solche auf einem
Postament wohlangekleidet stehet, gehörigermaßen zerschnitten, sambt denen 2 bei sich
habenden Mopshündgen u. solches Modell zum Abformen bereitet.“
In beiden Meißener Ausformungen, die ich hier zum Vergleich heranziehen will
(Erichsen-Firle 1975, S. 119, Nr. 124; Hackenbroch 1956, PI. 22) steht die Dame auf flachem,
achteckigem Sockel, der wieder auf einem relativ hohen, ebenfalls achteckigen Postament
ruht. Die Proportionen der Figur mit der weiten Krinoline scheinen erst durch die solide Basis
zu „stimmen . Die gefälschte Porzellanfigur steht im Gegensatz zu den genannten
Ausformungen auf einem querovalen, niederen Sockel, der mit bunt bemalten, plastischen
Blumen geschmückt ist. Schon die Sockelform ist auffallend — das Postament fehlt gänzlich.
Einwände, das Postament könne in diesem Fall verloren gegangen sein, können als nicht
schlüssig zurückgewiesen werden; ein kleines Detail beweist, daß die Figur ohne Postament
konzipiert war: der kleine Mops, der unter dem Gewand der Dame hervorschaut, legt die
angezogenen Beine auf den Sockel; bei den Vergleichsbeispielen hingegen ist der ganze
Oberkörper des Tieres nach vorne gewendet, die Beine liegen bereits auf dem vorgewölbten
Profil des Postaments. Der Fälscher war gezwungen, den Oberkörper des Tieres zu drehen,
um die Beine auf dem Sockel unterzubringen. Auch bei der Dame selbst gibt es signifikante
Veränderungen gegenüber dem Meißener Modell: die rechte Hand liegt, nach vorne
gerichtet, auf dem Gewand; bei den Meißener Ausformungen ruht sie seitlich auf der
Krinoline. - Eigentlich ruht sie nicht, sondern rafft das Kleid, unter dem das andersfarbige, bis
auf den Saum ungemusterte Untergewand sichtbar wird. Die Tätigkeit der rechten Hand
wurde vom Fälscher anscheinend mißverstanden und in ein passives Liegen umfunktioniert.
Auch hier ist ein Teil des Untergewandes zu sehen (Farbabb. 1, S. 17), doch keinesfalls
motiviert durch ein Hinaufziehen des Kleides, sondern offenbar zurückzuführen auf
dessen besonderen Schnitt. Während die Meißener Ausformungen vorne eine schmale,
dreieckige Teilung des Gewandes zeigen, ist davon bei der Fälschung nichts zu sehen.
Das hart geschnittene Gesicht der Dame, die Detailveränderungen, mehr aber noch die
Marke auf der Sockelunterseite und deren Gestaltung lassen uns eine Entstehung der Figur
gegen Ende des 19. Jahrhunderts, vielleicht sogar noch später, annehmen.
Der volle, flache Sockel zeigt auf der Unterseite eine Porzellanoberfläche von fast
blendender Weiße und ist nur dort glasiert, wo sich der dadurch unterglasurblaue Binden
schild befindet - eine relativ kleine Fläche gegenüber der unglasierten Standfläche. Von der
Modellierung und Bemalung her zählt diese Dame sicher zu den qualitätsvollsten
Fälschungen, die ich bisher sah; eine „gute“ Fälschung im Sinne einer glaubwürdigen ist sie
aber keinesfalls.
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