Nicht nur thematisch ist die Fischverkäuferin (Abb. 146) ihrem Gegenstück, dem Fischverkäufer,
verwandt. Sie steht auf einem runden, leicht gewölbten Sockel und hält in der linken
Hand ein Tablett mit Fischen gegen den Körper abgestützt, in der rechten drei große, herabhängende
Fische.
Eine sehr weiche, undifferenzierte Modellierung ist - wie allen vier abgebildeten Figuren -
auch dieser Fischverkäuferin eigen. Ein breiter, unterglasurblauer Bindenschild aus unterschiedlich
starkem Blau und die eingeritzte Zahl 5 (Abb. 151) lassen wieder an den Fischverkäufer
denken, der mit derselben Zahl gekennzeichnet ist (Abb. 149). Die beiden letztgenannten
Figuren sind auch in der Kopfhaltung durchaus als Gegenstücke denkbar, da die
Verkäuferin nach rechts, der Verkäufer nach links blickt (Abb. 146,147). Die vierte Figur stellt
ein Mädchen mit Tablett (Abb. 145) dar, auf dem Becher mit runden Früchten (?) stehen. Der
unterglasurblaue Bindenschild auf der Sockelunterseite ist wieder unterschiedlich in der
Farbstärke, als Ritzzeichen ist Z oder 2 zu sehen (Abb. 150). Die 17,8 cm hohe Figur paßt
größenmäßig zu den drei anderen; sie vereint in sich auch deren Fehler: unreines Porzellan
mit großen braunen Glasurflecken, vor allem am rechten Bein und an der Innenseite der
Stütze, dazu noch schlecht verarbeitete Formnähte, die auf den Ärmeln des Gewandes auffallen.
Als bemalte Porzellanfigur, deren Vorbild noch ebensowenig eruiert werden konnte wie jene
der vier unbemalten Fälschungen, ist ein Kavalier mit großem Obstkorb (Abb. 152) ausgeführt.
Es könnte sich dabei vielleicht um einen Kaufruf oder auch um eine Allegorie des
Herbstes handeln.
Als Fälschung erweist er sich dadurch, daß der Bindenschild auf der Sockelunterseite blau
a u f der Glasur angegeben ist. Dazu kommt die Zahl 22 in Blau, die eine undeutliche rote
Zahl (vermutlich ebenfalls 22) fast verdeckt. Der Sockel mit den plastischen Blumen ist - wie
die ganze Figur und der Obstkorb - bunt staffiert. Mit 15,9 cm ist sie noch kleiner als die
vorhin besprochenen weißen Porzellane.
KAUFRUFE DER WIENER PORZELLANMANUFAKTUR AUGARTEN
Die Wiener Porzelannmanufaktur Augarten (gegr. 1923) setzt mit zahlreichen wohlbekannten
Wiener Modellen die Tradition der alten Wiener Porzellanmanufaktur fort. Zu den Ausformungen
der „ersten Stunde” gehörten, wie wir bereits sahen (S. 138 ff.), die Callotto-Modelle
des 18. Jahrhunderts. Andere alte Wiener Figuren folgten, und die Modellnummern zeigen,
daß es sich insgesamt um 20 Wiederaufnahmen aus dem reichen figuralen Formenschatz
der Wiener Porzellanmanufaktur handelte; die meisten dieser Modelle werden auch heute
noch erzeugt. Man versah sie mit den Modellnummern 1000-1019 (Preiskurant der Manufaktur
Augarten aus dem Jahre 1926):
„Ursula Schleglin” (1000, früher 100), „Callotzweg” (1001, früher 101), „Schlittschuhläuferin”
(1002), „Gemüseverkäuferin” (1003), „Gratulantin mit Bukett und Brief” (1004),
„Veronika mit dem Schweißtuch” (1005), „Jäger mit Hund” (1006), „Kaffeehauskellnerin mit
Schachbrett” (1007), „Blumenverkäuferin” (1008), „Bauerngruppe” (1009), „Handwerksbursche”
(1010), „Salamiverkäufer” (1011), „Landkartenverkäufer" (1012), „Hendlbrater”
(1013), „Fischerknabe” (1014), „Kaffeehauskellnerin” (1015), „Sitzendes Mädchen”
(1016), „Tanzendes Mädchen” (1017), und zwei Amoretten (1018 und 1019).
Die Bezeichnungen dieser Figuren sind dem Preiskurant von 1926 entnommen und unterscheiden
sich in manchen Fällen sowohl von den alten Bezeichnungen für die Figuren der
Wiener Porzellanmanufaktur als auch von den heute bei Augarten üblichen Bezeichnungen.
Die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten hat jetzt noch folgende Modelle in ihrem Programm:
Nr. 1002 (Schlittschuhläuferin), 1003 (Gemüseverkäuferin), 1006 (Jäger mit Hund),
1007 (Kaffeehauskellnerin), 1008 (Blumenverkäuferin), 1011 (Salamiverkäufer), 1012
(Landkartenverkäufer), 1014 (Fischerknabe) und 1016 (Girlandenmädchen). Es sind dies vor
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