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Abb. 156. Marke der Porzellanfigur Abb. 155: unter
glasurblaue Augartenmarke, in Braun auf der Glasur:
„Muster”, Malernummer 1, eingestempelt: 1016 (?)
allem Modelle aus dem Themenkreis der sogenannten „Kaufrufe”, die im nachfolgenden
Abschnitt behandelt werden. Bei dem einen oder anderen Modell sind die Wiener Originale,
die als Vorbilder dienten, nicht bekannt; der Landkartenverkäufer dürfte auf ein Meißener
Modell oder auf eine frühe Wiener Kopie nach diesem Meißener Modell zurückgehen.
Der Altwiener „Bratlkoch” des 18. Jahrhunderts steht auf einem unregelmäßigen, niederen
Sockel vor einem öfchen, auf dem eine Schüssel mit Hühnern liegt, und hält einen Bratspieß
in beiden Händen.
In der Sammlung des österreichischen Museums für angewandte Kunst besitzen wir zwei
Ausformungen, die sicher vom selben Modelleur geschaffen, aber von zwei verschiedenen
Bossierern gestaltet wurden: der unbemalte, weiß glasierte „Bratlkoch” vom Zwettler Tafel
aufsatz (Abb. 153) trägt das Bossiererzeichen P, die staffierte Figur (Abb. 154) den Buchsta
ben O. Diese Zeichen stehen mit ziemlicher Sicherheit für die Bossierer Anton Payer (= P)
und Dionysius Pollion(= 0),die von 1762 bis 1783 in den Akten der Manufaktur mehrfach er
wähnt wurden und vielleicht sogar schon vor 1762 für sie tätig waren.
Sieht man von der Bemalung ab, so kann man an plastischen Details der Ausformung beider
Modelle die besondere Eigenart der zwei Bossierer wohl unterscheiden. Bei der staffierten Fi
gur (Abb. 154) muß allerdings noch eine alte Restaurierung in Betracht gezogen werden, bei
der die Kopfbedeckung teilweise ausgebessert und die linke Hand neu (und falsch?) angesetzt
wurde. In der Haltung dieser Hand liegt auch einer der größten Unterschiede beider Figuren.
Während der Betrachter bei der bunten Figur den ganzen Handrücken sieht, ist die Hand bei
der unbemalten Figur so wiedergegeben, daß die Handkante nach vorne weist. Im allgemei
nen scheint die Modellierung der unbemalten Figur sorgfältiger, detailbewußter ausgeführt:
man vergleiche etwa das vor dem Körper verknüpfte Band, das bei der unbemalten Figur eine
sorgsam durchmodellierte Masche bildet, während dies beim bemalten „Bratlkoch” nur wie
ein nicht genau definierbares Detail aussieht. Die auf dem Ofen stehende Bratpfanne ist bei
der unbemalten Figur mit einem Griff versehen. Das viereckige Gefäß (Abb. 153) befindet
sich ganz im Ofen, nur der Griff ragt heraus, während es beim anderen Beispiel (Abb. 154)
halb aus dem Ofen herausragt. Sogar die Anzahl der Hühner in der Pfanne ist unterschied
lich.
Selbst beim Kostüm ist der Bossierer Anton Payer, dem wir die unbemalte Figur wohl zu
schreiben dürfen, detailbewußter (Abb. 153); man beachte nur die Bildung von Hemd- und
Rockkragen am Hals und das geschlungene, vor der Brust gedrehte Halstuch. Die Körper
plastik scheint von Payer ebenfalls mehr berücksichtigt worden zu sein als von Pollion: man
beurteile nur, wie sich das rechte Bein unter dem langen Gewand abzeichnet und wie sich der
untere Teil des Gewandes über das Eck des öfchens legt, während Pollion das Gewand
seiner Figur (Abb. 154) gerade an den Ofen anstoßen läßt.
Die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten (Abb. 155) nahm sich die staffierte Figur zum Vor
bild, samt den Veränderungen, die ein Restaurator an der linken Hand und an der Kopfbe-
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