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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

Sehr leicht als .Potschappeler Wien’ sind solche Stücke zu identifizieren, die zwar auf der 
Rückseite den Wiener Bindenschild tragen, zusätzlich aber auch noch eine einfarbige Blume 
oder ähnliches, die das Zeicher einer anderen Herstellungsfirma des ursprünglich noch un- 
bemalten Porzellans verdecken soll. 
Das rührt daher, daß von Potschappel einige private Hausmalereien in der Umgebung auf 
gekauft wurden, die weißes Porzellan von anderen, vorwiegend nordbayerischen Fabriken 
bezogen hatten, das einen sehr guten Scherben aufwies. Solche weißen Restbestände 
(meist Rosenthal) wurden in größeren Mengen dann in der Potschappeler Manufaktur von 
firmenzugehörigen Malern bemalt, unter anderem eben auch in der Wiener Manier. 
Über die Maler, die unter anderem auch für Wiener Dekore zuständig waren, lassen sich nur 
wenige Angaben machen. Die wichtigste Hausmalerei, die für Potschappel arbeitete, und die 
wohl den Großteil der Porzellane im Wiener Genre bemalte, hieß Greiner. Die Existenz dieser 
Malerei (eine ganze Malerfamilie) reichte meines Wissens bis in die Zeit, in der mein Groß 
vater noch im Betrieb tätig war, und dort wurden die qualitätvollsten Bilder auf Porzellan über 
haupt geschaffen, ganz abgesehen von dem Teil, der in Wiener Manier gehalten war. Daher 
ist auch der größte Teil aller mit bildhaften Motiven versehenen Porzellanen aus Potschappel 
(unter anderem auch die .Wiener’ Stücke) mit dem Namen .Wagner’ im Bild signiert. 
Wagner, der als Obermaler in der Greinerschen Hausmalerei fungierte, korrigierte, über 
prüfte und signierte schließlich jedes Stück vor dem Brand. 
Eine zweite Hausmalerei, die zeitlich wie die Greinersche einzuordnen ist, hieß Geyer. 
Sämtliche Stücke, die in dieser Malerei bemalt wurden, sind auch mit dem Namen ,Geyer’ 
signiert. Bei Geyer dürften vorwiegend Porträts und Madonnenbilder gemalt worden sein. 
Einige Porzellane mit Bilddekoren sind mir bekannt, die mit den Buchstaben A.G. (Geyer? 
Greiner?) und dem Namenszug J. Bock signiert sind. Weiterhin lassen sich Maler nur noch 
namentlich ohne zeitlichen Bezug anführen, wie z.B. Ackermann und Schlesinger. Signatu 
ren von diesen letztgenannten Malern sind mir nicht bekannt. 
Abschließend darf ich noch darauf hinweisen, daß der Bereich der Imitation Wiener Porzel 
lans im Produktionsprogramm der Firma nur eine untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte, 
da der Schwerpunkt der Abnehmerschaft in England, Amerika und Italien gelegen hat. 
Außerdem lag, wie schon erwähnt, die Motivation für die Anlehnung in der Produktion an die 
Modelle und Dekore der großen europäischen Manufakturen keineswegs darin, Fälschungen 
zur bewußten Irreführung des Publikums herzustellen. Dazu war der Bekanntheitsgrad, der 
feste Kundenstamm, wie auch die Qualität der Ware zu groß, als daß man sich hinter imitie 
renden Warenzeichen hätte verstecken müssen. Das beweist auch die im Prinzip relativ ein 
fache (von Ausnahmen abgesehen) Identifikationsmöglichkeit Potschappeler Porzellans, 
auch des mit imitierten Markenzeichen versehenen, das ohnedies nur einen sehr kleinen Teil 
der Produktion von 1872 bis 1950 ausmachen dürfte”. 
Von den zahlreichen Marken der Firma Carl Thieme (zehn wurden als eingetragene Waren 
zeichen ermittelt) war vor allem die erste angemeldete Marke interessant: zwei einander 
kreuzende Linien mit dem T (Neuwirth, Meißener Marken 1977, S. 93-96); wegen dieser 
Marke kam es zu einem Rechtsstreit mit der Meißener Porzellanmanufaktur, der jedoch zu 
gunsten von Thieme endete. Die Firma ging ja äußerst bedacht vor, um nicht straffällig zu 
werden: sie meldete Marken an, die jenen der Manufakturen Meißen, Wien, Frankenthal zwar 
ähnlich, nicht aber mit ihnen identisch waren. Die Fälschungen konnten natürlich nicht regi 
striert werden, und so sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die Firma nicht nur einen 
richtigen „Bienenkorb” mit Biene und der Unterschrift „Dresden” verwendete, sondern auch 
den gefälschten Bindenschild. Dieser in Verbindung mit einem CT-Monogramm, das ich in 
den Warenzeichenveröffentlichungen nicht entdecken konnte, verleitet leicht zur Annahme, 
bei den so gekennzeichneten Porzellanen handle es sich tatsächlich um echtes Wiener 
Porzellan. 
Ein sehr prunkvoll gestalteter Tafelaufsatz (Abb. 224), der Fragmente eines gefälschten, un- 
243
	        
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