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Volltext: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

2/1978, S. 2). Hochinteressant ist auch der folgende Hinweis Katzers: „Der Modelleur 
J. Schmeiser hatte seine 41 Stück umfassende Sammlung (Wiener, Meißner und Wiener 
Neustädter Porzellan, Bilder und Schriften) ebenfalls der Stadt übergeben; mehrere Stücke 
davon stammen aus seinem künstlerischen Schaffen. Sowohl die Sammlung de Cente 
als auch die Sammlung Schmeiser enthielten Kunstgegenstände, nämlich Vasen und Figu 
ren, die nach Modellen der aufgehobenen Wiener Porzellanfabrik von Bossierern in Wiener 
Neustadt erzeugt worden waren, während die vorhandenen Kamine und Öfen nicht allein 
hier, sondern auch von anderen Firmen nach Modellentwürfen Joseph de Centes hergestellt 
waren ... Die Bestände der Sammlung de Cente/Schmeiser im Neustädter Stadtmuseum 
sind durch Kriegs- und Nachkriegseinwirkungen stark reduziert, da man sie während des 
Krieges für .nicht verlagerungswürdig’ deklariert hatte. Der handgeschriebene Museumska 
talog A umfaßt ca. 400 Nummern, also den ursprünglichen Gesamtbestand der Schenkun 
gen an die Stadt. Er gibt teilweise genaue Angaben über die Provenienz der Exponate. Eine 
fachwissenschaftliche Bearbeitung des noch vorhandenen Bestandes wäre wünschenswert, 
ebenso eine Bestandsaufnahme der an einzelnen Althäusern der Stadt erhalten gebliebenen 
ornamentalen und figuralen Arbeiten aus der Fabrik de Cente. Es ist vorauszusehen, daß in 
absehbarer Zeit auch diese letzten Zeugnisse des Kunstsinnes einer Epoche aus dem 
Stadtbild verschwunden sein werden. Die Schenkung an die Stadt und der Verkauf an die 
Firma Wahliss kennzeichnen das Ende der kunstgewerblichen Produktionsrichtung des 
Werkes” (Katzer 2/1978, S. 2-3). 
Der von Katzer erwähnte Verkauf an Wahliss fand um 1902 statt. Die Neue Freie Presse hatte 
die sensationelle Meldung gebracht, daß von den Formen der Wiener Porzellanmanufaktur 
noch Hunderte existieren, und die Firma Wahliss soll damals den unglaublich scheinenden 
Bestand von 600 Modellen übernommen haben (Centralblatt 1902, S. 953): „Seit dem Jahre 
1864 war aber das Alt-Wiener Porzellan todt. Die echten Stücke wurden immer weniger, die 
Fälschungen immer zahlreicher. Nach Auflösung der Fabrik wurde dem Museum ein mög 
lichst vollständiger Satz der Erzeugnisse überwiesen, die Originalmodelle aber geriethen 
nach Wiener-Neustadt und dort schön langsam in Vergessenheit. Nun hat die angesehene 
Wiener Porzellanfirma Wahliss diese Modelle, nahezu 600 an Zahl, der Vergessenheit ent 
rissen, und sie mit sachkundiger moralischer Untersützung der Leitung unseres Museums 
wieder in Verwendung genommen. Und so kommt nun prächtiges neues Alt-Wiener Porzel 
lan auf den Markt, treu und echt bis auf das kleinste Ornament, und so feiert das Alt-Wiener 
Porzellan seine Auferstehung! Im Porzellanhaus Wahliss ist diese Alt-Wiener Ausstellung zu 
sehen, die förmlich ein erfreuliches culturelles Ereignis bildet. Der ganze Zauber des Alt- 
Wiener Kunstgewerbes ist da ausgebreitet. 
Die Nachbildungen der Antike, die mediceische Venus, die mit Recht auf ihren Namen stolze 
Venus Kallipygo’s, der Diskobolos, alles in Biscuit, der dem Auge den Marmor vortäuscht, 
dann die Schäferidyllen in fröhlichem Rococo, die sich classisch geberdenden Figuren des 
Empirestiles, und vor allen Dingen die echt wienerischen Sachen, darunter 180 Soldaten 
figuren, ein wahres plastisches Bilderbuch aller Uniformen in Oesterreich seit 300 Jahren. Es 
ist eine Ausstellung von ganz eigenem und bezwingendem Reiz, und es verlohnt wahrlich der 
Mühe hinzugehen, um sich an ihr zu erfreuen”. 
Leider ist noch vieles am Schicksal der Gipsformen und Modelle der Wiener Porzellan 
manufaktur unklar. Übernahm de Cente direkt von der Wiener Manufaktur die im abge 
druckten Verzeichnis fehlenden Gipsformen? Handelte es sich bei den „nahezu 600 von 
Wahliss erworbenen Modellen tatsächlich um Modelle, um die Gipsformen oder bereits um 
die Terrakotta-Reproduktionen von de Cente? Vieles werden wir wohl nie mehr erfahren. 
Terrakotten de Centes haben sich jedenfalls im Österreichischen Museum für angewandte 
Kunst erhalten; darunter befinden sich vierzehn Niobidenfiguren (Abb. 257, 259, 261), die 
nach den alten Formen der Wiener Manufaktur geschaffen wurden. Die Niobiden 
„Kleodoxe”, „Astykratia” und „Phedimus” sind im Museum auch in einer oder mehreren 
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