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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

FORMEN DER DU-PAQUIER-ZEIT BEI HEREND UND AUGARTEN 
Welche Aufregung, ein Porzellan zu entdecken, das in Form und Dekor einem der seltenen, 
begehrten Du-Paquier-Porzellane gleicht, das keine Marke trägt, das bis in kleinste maleri 
sche Details zu „stimmen” scheint - bis man entdeckt, daß die Glasur des Bodens eine 
matte, ausgeschliffene Stelle zeigt, bis eine eingepreßte Nummer in starkem Streiflicht 
sichtbar wird und die auf die Glasur gemalte Zahl keine Neuentdeckung einer bisher unbe 
kannten Du-Paquier-Signatur darstellt, sondern die ganz gewöhnliche Dekornummer jener 
Manufaktur ist, die das Porzellanobjekt erzeugt hat. 
Von Du-Paquier-Porzellan sind bisher kaum „richtige” Fälschungen bekanntgeworden, hin 
gegen einige Verfälschungen: in Frage kommen hier vor allem gemarkte Porzellane von 
Augarten und Herend, deren Signaturen und Marken später außerhalb dieser Manufakturen 
entfernt wurden, um dem nun markenlosen Porzellan den Anschein eines echten Du- 
Paquier-Stückes zu geben. 
Nicht die plastischen Vögel oder die Chinesenfiguren auf den drei Porzellanlustern des 
„Dubsky-Zimmers”, nicht die Wandleuchter mit den reliefierten und gemalten Chinoiserien 
oder die unzähligen, in die Wandvertäfelung oder in die Möbel eingelassenen bemalten Por 
zellanplättchen beeinflußten rund ein Jahrhundert nach ihrer Entstehung die Produktion der 
1923 gegründeten Manufaktur Augarten, sondern vielmehr die zeitlose Schönheit der an 
ostasiatischen Formen orientierten Vasen und Becher dieses Porzellankabinetts. 
Im Gegensatz zu den Herender Ergänzungsstücken im „Dubsky-Zimmer” war die soge 
nannte „Dubsky-Serie” der Manufaktur Augarten nicht dazu bestimmt, fehlende Porzellane 
in diesem Porzellankabinett zu ersetzen, sondern man löste damit eine Verpflichtung ein, die 
aus den Statuten der Manufaktur Augarten abzulesen war: die „Wiederbelebung bzw. Er 
neuerung und Fortsetzung der vormaligen Staatlichen (Aerarial) Porzellanmanufaktur in 
Wien”. 
Was lag näher, als die Vorbilder und Vorlagen in jenem Institut zu suchen, das seinerzeit 
(1864-1866) das künstlerische Vorlagenwerk der alten Wiener Porzellanmanufaktur über 
nommen hatte und die reichste Sammlung Altwiener Porzellans besaß? Die Künstler der 
eben gegründeten Manufaktur Augarten studierten im österreichischen Museum für ange 
wandte Kunst die in der Schausammlung befindlichen Kostbarkeiten, und im Laufe der Zeit 
sollte sich das Schwergewicht des Interesses auf einige Gebiete konzenrtrieren: vorbildhaft 
wurden die Formen und Dekore der Du-Paquier-Zeit (insbesondere die Gefäße des 
„Dubsky-Zimmers”, aber auch einzelne besonders dekorative Gefäße, wie Olliotöpfe, deut 
sche Blumen u.a.), Porzellanfiguren der folgenden Staatsmanufakturzeit ab 1744 (Callotto- 
Zwerge, Kaufrufe), figurale, ornamentale und florale Dekore des Rokoko (Watteauszenen, 
Blumenbouquets, Streublumen) und die zweifach gebauchten Rokoko-Formen, vor allem die 
Kaffeeschalen mit ihren typischen zweiteiligen Henkeln, die am Ansatz durch überkreuzte 
Blätter gebildet wurden, und schließlich die schlichten „klassischen” Formen der Sorgen 
thal-Zeit und ihre Reliefgolddekore. 
In einem Katalog der Manufaktur Augarten „Der schöne Gegenstand, Vasen, Kummen, 
Dosen” aus der Mitte der dreißiger Jahre (Kat. Augarten o. J.) wurden als Teilgebiet „Oglio- 
becher, Dubskyvasen und Türkenbecher aus der Zeit Karl VI.” angeboten, und zwar „nach 
Originalmodellen des Dubskyzimmers im österreichischen Museum in Wien”. Man konnte 
diese Porzellane in zwei Ausführungen erhalten, wobei die kostspieligere jene „In Alt-Wiener 
Cremeton” war. Daraus geht bereits hervor, daß eine Serie in jenem reinen, leuchtenden 
Porzellanweiß hergestellt wurde, das die alte Wiener Manufaktur überhaupt nicht kannte, und 
daß bei der anderen Serie auf die immer vorhandene Nuancierung des Weiß beim Du- 
Paquier-Porzellan Rücksicht genommen wurde, wenn auch das alte Porzellan der Wiener 
Manufaktur nicht jenen einheitliche „Cremeton” wie die Augarten-Kopien besaß. 
Die Ausformung dieser beiden Serien beweist uns wohl zweierlei: einmal die schon mehrfach 
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