„Reiche, bunte Watteaubilder” lautete die Beschreibung der Dekornummer 5041; „antike
Landschaften in schwarz, grau und Relief, Goldrand” eine andere (Nr. 5014), „Schwarze
Wachauer Landschaften” (Nr. 5199). Folgende Blumendekore seien erwähnt: „einfache
Wiener Blumen mit Goldrand” (Nr. 5008), „antike Früchte” (Nr. 5013), „Rose und Mohn,
antike Wiener Blumen und große Streubouquets” (Nr. 5029), „Rose und Tulpe, sonst wie
oben” (Nr. 5029 a), „reiche Alt-Wiener Blumen mit 2 verschiedenen grünen Blättern”
(Nr. 5034), „Kobaltfond, 3 weiße Felder, darin reiche Wiener Blumen, Felder mit Reliefgold
umrahmt” (Nr. 5034), „reiche Wiener Blumen” (Nr. 5050), „reiche Purpur-Rosen” (Nr. 5067),
„reiche gelbe Rosen” (Nr. 5067 a) und „schwarz gezeichnete und grün lasierte Buketts” (Nr.
5098). Diese figuralen, landschaftlichen und floralen Dekore wurden meist mit Formen des
18. Jahrhunderts kombiniert, häufig mit Rokokoformen, manchmal auch mit solchen, die
noch aus der Zeit Du Paquiers stammten. Darüber hinaus erfanden die Maler Augartens
eigene figurale „Watteau”-Motive, wenn sie für die zahlreichen Tassen und Untertassen,
Anbietplatten und Kannen noch Variationen dieses Themas benötigten.
Die Darstellung einer Frau mit Henkelkorb und zwei Kindern - ursprünglich auf ein Motiv aus
der Callotschen Bettlerserie zurückgehend (Abb. 301) - finden wir im Alt-Wiener Porzellan
auf einer Kanne (Abb. 302) angebracht und bei Augarten-Porzellan gleich zweimal: auf
einem Dessertteller (Abb. 304) und — seitenverkehrt — auf einer Kanne, die von derselben
Form ist wie jene des 18. Jahrhunderts (Abb. 303).
Während die Szene in ihrer Gesamtkonzeption relativ getreu beibehalten wurde, sind Details
und Ausführung sowie der malerische Duktus - der Handschrift des ausführenden Malers
entsprechend - verschieden. Ähnliches ist bei der Frau mit Kind festzustellen, die auf einer
Alt-Wiener-Untertasse (Abb. 305) und einer querformatigen Schale (Abb. 307) erscheint,
die Augarten mit demselben Motiv versah und es nur der breiten Fläche durch Strecken des
landschaftlichen Ambientes besser anpaßte. Hier ist, wie bei den früher genannten
Vergleichsbeispielen, auch die andere Ornamentik des Randes bemerkenswert: Im Original
des 18. Jahrhunderts, sei es auf Kannen, Schalen oder Untertassen, ist ein farbiges, doppel
tes, sich überschneidendes Wellenband gemalt, bei Augarten eine Goldbordüre, die in ähnli
cher Form auf anderen Objekten der alten Wiener Manufaktur vorkommt.
Aber auch auf den Porzellanen des 18. Jahrhunderts wird ein und dasselbe Motiv öfters
abgewandelt, wie der sitzende Bettler auf Kanne und Schale (Abb. 309,310) aus der Wiener
Manufaktur, wieder aufgegriffen von Augarten durch die Malerei auf einer Untertasse (Abb.
312). Eine Bäuerin mit Rechen, die an ihrer rechten Hand ein Kind führt, wird von Augarten
ebenfalls nach einer Darstellung auf Altwiener Porzellan kopiert (Abb. 306. 308). Ge
meinsam ist allen Malereien, ob Original oder Kopie, daß sie ohne Umrahmung auf den
weißen Fond des Porzellans gesetzt werden.
Von zwei Altwiener Anbietplatten (Abb. 314,316) übernahm Augarten die figuralen Motive für
eine große Vase, die leider nur mehr in beschädigtem Zustand erhalten ist (Abb. 313, 315):
von einer rechteckigen Anbietplatte mit durchbrochener Galerie die Szene mit Dame und Ka
valier vor einer hohen Vase auf Postament, in einer Landschaft (Abb. 313,314); von einer tra
pezförmigen Anbietplatte mit zwei Griffen die wie Schäferszenen anmutende Darstellung
zweier Paare in einer Landschaft (Abb. 315,316). Wieder bleibt der ikonographische Kern er
halten, malerische Details, Binnenzeichnungen weichen ab, die „Handschrift” des Malers
wird spürbar.
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