(Abb. 333), einer gemalten, bunten Watteauszene und bunten Streublumen trägt, ebenso
schwach wie die figuralen Porzellane, die kaum sichtbare Firmenmarke, ein T zwischen den
Balken zweier gekreuzter Linien (Abb. 332).
Obwohl diese Vase einen unterglasurblauen, sehr regelmäßigen und stark schräggestellten
Bindenschild zeigt, kann sie aufgrund der sonst noch vorhandenen Kennzeichnung kaum mit
einem Altwiener Porzellan verwechselt werden. Die eingepreßte Buchstaben-Zahlenkombi
nation W 2749 (Abb. 331) ist atypisch, ebenso die nur bei dem in einem bestimmten Winkel
einfallenden Licht sichtbare Fabrikmarke (Abb. 332). Diese war offensichtlich einmal von
einem Klebeetikett mit gezähntem Rand überdecktgewesen, wieder Abdruck dieses Etiketts
noch zeigt.
Neben diesen Kriterien der Fälschung sind natürlich auch die stilistischen Merkmale
anzuführen: die völlig atypische Bemalung der Wandung in dichtem Nebeneinander von
figuraler Szene, großen Blumenbuketts und Pfauenfederdekor. Diese bunte Dekorierung
wird noch durch die Vergoldung des Mund- und Fußrandes und die Goldspitzenbordüre am
inneren Mundrand bereichert.
Häufig sind Marken, die ursprünglich auf der Glasur angebracht waren, fast verschwunden
und bei normalem Lichteinfall nicht mehr sichtbar. Durch das Einbrennen der Farbe dieser
Marken wurde jedoch eine mehr oder weniger starke Verbindung mit der Glasur des Porzel
lans erzielt, und auch bei Entfernen der Farbe bleibt die matte Spur der Marke in der Glasur
erhalten, die dann bei starkem Schräglicht erkennbar wird.
Murillos Bettelknaben, Amoretten, romantische Mädchen, Watteaupärchen, eine galante
vielfigurige Szene und andere Darstellungen bilden den figuralen Schmuck eines Mokkaser
vices, das aus einer langen Anbietplatte, zwei Kannen, Zuckerdose, Schalen und Untertas
sen besteht (Abb. 334). Dominierend sind die Pseudo-Rokokofiguren auf der Anbiettasse, im
Umdruckdekor wie alle anderen Darstellungen ausgeführt.
Neben den bunten Szenen überwiegt ein Blau-Gold-Akkord: das unter der Glasur
angebrachte Kobaltblau des Fonds, fleckig, zur Bläschenbildung neigend; darauf gestem
pelte Goldmotive mit hellblauen, aufgesetzten Emailpünktchen. Die Vergoldung von Henkeln
und Rändern, die Glanzvergoldung der Innenseite der Tassen, goldene Griffe und Ausgüsse
spiegeln eine nicht vorhandene Kostbarkeit vor und blenden nur im ersten Augenblick.
Die Annahme der Serienherstellung solcher Service wird bestätigt durch die Umdrucktechnik
des Dekors, die mechanische Stempelung des Goldes, die verzogenen Formen (besonders
der Anbiettasse). Technische Mängel werden bei den Umdruckbildern sichtbar: durch Risse,
schadhafte Stellen, teilweise zerstörte Farbe, durch das über die vorgegebenen Grenzen
überlaufende, unregelmäßige fleckige Blau, durch abblätternde Email- und Goldpünktchen
und Unreinheiten der Glasur. Händisch bemalt sind wieder nur die Stellen, die zwischen Ab
ziehbildern und deren Umgrenzung freiblieben; manchmal fuhr der Pinsel des Malers unacht
sam in das Abziehbild hinein (über den Arm des Knaben beim Murillo-Bild). Vi.ele der
Serviceteile sind gemarkt (Abb. 335, 336), die meisten mit einem unterglasurblauen,
gefälschten Bindenschild. Dazu kommen zahlreiche eingepreßte Zeichen und Zahlen sowie
überglasurfarbene Stempel. Die Buchstaben TK verweisen auf die Thun’sche Porzellan
fabrik in Klösterle bei Karlsbad, deren Marke unter anderen aus den eingepreßten Buchsta
ben T (für Thun) und K (für Klösterle) bestand.
Die ,,Gräfl. von Thun’sche K.k. priv. Porzellanfabrik” in Klösterle wurde im Jahre 1794 ge
gründet. Im Jahre 1887 beschäftigte die Fabrik 550 Arbeiter, 1907 ca. 700 (Adreßbuch 1887,
S. 156; Adreßbuch 1907, S. 314). Während 1887 nur eine eigene Malerei erwähnt wird, ist
1907 und 1913 eine Malerei und Druckerei angegeben (Adreßbuch 1907, S. 314; Adreßbuch
1913, S. 229). Das Erzeugungsprogramm umfaßte: „Gebrauchsgeschirr aller Art, weiß u. mit
Malerei auf u. unter Glasur, Tafel-, Kaffee-, Tee-, Fisch-, Mokka-, Dessert- u. Waschservice,
Kochgeschirre, Küchengeräte, Vasen, Wandteller. - Spez.: Kaffeemaschinen u.
Kaffeetrichter mit patentierten konisch geschlitzten u. glasierten Sieben, Waschplatten.” Die
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