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Abb. 400. Frühstückservice, Wiener Porzellan, um 1801; unterglasurblauer Bindenschild, verschiedene Jahresstem
pel' 87 98 99, 801, gestempelte Weißdrehernummern: 12, 26, 39; Malernummer 62. in Purpur auf der Glasur, Ritz
zeichen 4 (Kaffeekanne); H der Kaffekanne: 15,4 cm. - Firma Ernst Wahliss, Wien
auf die Marke. Wie wir sehen, sind Gefäßform und Bindenschild nicht perfekt imitiert. Nicht
berücksichtigt wurde die Eigenart des Wiener Dekors um 1800. Trotz Bindenschilds sind
daher viele Fälschungen leicht als solche zu überführen: in den meisten Fällen wurde weder
Form noch Dekor der Sorgenthal-Zeit berücksichtigt, sondern man erzeugte Tafelservice,
Kaffee- und Teeservice, die schon aufgrund formaler und ornamentaler Kriterien sofort als
nicht authentisch erkennbar sind. Formal überzeugend, doch anderen dekorativen Prinzipien
unterworfen, sind zwei Dejeuners, von denen eines vermutlich doch aus der Wiener
Manufaktur (Abb. 400), das zweite aus dem Programm der Manufaktur Augarten stammt
(Abb. 401).
Dem Vorbild vom Ende des 18. Jahrhunderts (Abb. 395) dürfte jenes Service (Abb. 400)
formal am nächsten kommen, das jedoch mit seinen kobaltblauen, golddekorierten Zonen,
den bunten Streublumen und den Goldhöhungen von Henkel, Ausgüssen, Füßchen und
Knäufen den Dekorationsprinzipien der Sorgenthal-Service jenes Typs widerspricht. Vom
Formalen her in die 1790er Jahre gehörend, von der französisch inspirierten Dekoration her
wesentlich früher anzusetzen, ist dieses Service jedoch mit dem Bindenschild und den Jahres
stempeln für 1814 versehen, einer Zeit, aus der bisher kein Service dieser Art nachweisbar ist.
Die Manufaktur Augarten adaptierte diese Kannen- und Dosenformen ebenfalls (Abb. 401).
Auch in dieser Adaptierung spricht, wie bei dem vorgenannten Service (Abb. 400) die weiße
Glasur des Porzellans als Fond mit. Waren es dort Streublumen, so sind es hier Goldchine
sen, die die lebendige Dekoration bilden. Die Grundform der Kanne (Abb. 399) ist übernom-
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