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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

manufaktur erwarb; außerdem ist bekannt, daß Denk viele Porzellane in Wien bemalen ließ. 
Die Firma besaß zwar selbst keine eigene Malerei, beschäftigte jedoch einige Maler „außer 
Haus’ Auch Bruno Bücher wies in dem von ihm bearbeiteten Buch Paul Eudels (Le Truquage) 
auf die Gefahr hin, die außerhalb der Manufaktur dekoriertes Wiener Porzellan mit sich 
brachte (Bücher 1885, S 135,136): 
,,Alt-Wien erwähnt der Verfasser nicht. Auch dies, namentlich das Genre mit glänzendem und 
mattem Goldrelief, wird neuerdings vielfach gefälscht. Zunächst hatte der im Abschnitt 
,Email’ erwähnte Weiniger u.a. bei Auflösung der Wiener Staatsfabrik im Jahre 1865 die 
weißen Vorräte aufgekauft, und, da versäumt worden war, die Marke zu durchschlagen, 
dekoriren lassen. Gegenwärtig benutzt die Anstalt für Porzellanmalerei Rädler & Pilz in Wien 
die alte Marke der kaiserlichen Fabrik, den österreichischen Bindenschild, von den Händlern 
,der Bienenkorb’ genannt, und wenn sie selbst auch ihr Fabrikat als neu in den Handel bringt, 
so ist doch andern Leuten dadurch der Betrug schon bequem gemacht.” 
Das „artistische Atelier für Porzellanmalerei” von Rädler & Pilz ist seit 1873 nachweisbar. Es 
hatte seinen Standort zuerst in Wien VI, Gumpendorferstr. 63, dann in Wien V, Griesgasse 25 
und schließlich in Wien VII, Breitegasse 26, Niederlagen und Filialen in Wien, London, Paris 
und Frankfurt sowie zahlreiche Kommissionslager in Übersee. Die Firma nahm an allen 
großen in- und ausländischen Ausstellungen teil und erhielt meist hohe Auszeichnungen. Sie 
bezeichnete sich als „Alleiniger Besitzer der Alt-Wiener k.k. Porzellan-Fabriks-Marke”; der 
Bindenschild war in umgekehrter Form, als Bienenkorb, registriert worden, und es entbrannte 
zwischen Rädler & Pilz und der Firma Carl Knoll in Fischern bei Karlsbad, die eine ähnliche 
Marke registrieren ließ, ein Rechtsstreit um das begehrte Zeichen (s. auch S. 63, 64). 
Die hohe Qualität der Porzellandekoration durch Rädler & Pilz - die Porzellane bezog die 
Firma meist aus dem böhmischen Gebiet - verschaffte der Firma zahlreiche Aufträge pro 
minenter Kunden, von denen nur Rothschild genannt sei (Abb. 418). 
Der engen Verbindung zu Rädler & Pilz verdankt es das österreichische Museum, daß es 
heute einige Teller mit Reliefgolddekorationen aus diesem Atelier besitzt. 
Einer davon (Abb. 415) ist auf der Fahne, deren blauer Streifen ein rotes Wellenband trägt, 
mit Reliefgold dekoriert, das von großer Exaktheit ist. Als Geschenk der Firma im Jahre 1885 
an das Museum gelangt, sind einige Kriterien bemerkenswert: Die mittlere Kreisfläche des 
Bodens ist ausgeschlieffen, darauf wurde ein blauer Bindenschild angebracht, außerdem 
sind die eingepreßten Buchstaben bzw. Zahlen TK 8 zu sehen (Abb. 417). Wie bereits er 
wähnt, steht das TK für Thun Klösterle und ist damit als Fabrikssignatur jener böhmischen 
Manufaktur, die Porzellan für viele Dekorateure lieferte, nachweisbar. 
Ein prominentes Service mußte jenes für Rothschild gewesen sein, von dem die Firma Rädler 
& Pilz dem Museum im Jahre 1877 einen Musterteller überließ (Abb. 418, 419). Neben dem 
Stempel 19. und anderen, schwer lesbaren Zahlen, befindet sich auf dem Boden dieses Tel 
lers das rote Firmenmonogramm RP, das relativ selten erhalten ist (Abb. 416). Der Teller mit 
mehrfach gewelltem, vergoldetem Rand trägt einen blauen Streifen auf der Fahne und auf 
diesem selbst sowie nach der Mitte zu reiches Reliefgold, in dem auch das Rothschild’sche 
Monogramm ausgeführt ist. 
Aus der Detailaufnahme läßt sich erkennen, daß es sich um sehr sorgfältige Arbeit handelt 
(Abb. 419). Einen gefälschten Bindenschild (neben der eingepreßten Zahl 86 oder 98) trägt 
ein anderer Teller von Rädler & Pilz, und wie beim vorgenannten Teller weist auch dieser eine 
ausgeschliffene Stelle auf der Unterseite auf. Vermutlich war dort die Originalmarke der Por 
zellanfabrik angebracht, die das Wiener Atelier mit dem unbemalten Porzellan beliefert hatte. 
Der Vogel auf einem Blütenzweig im Spiegel des Tellers ist mit bunten, opaken, dick aufge 
tragenen Farben gemalt, die in der Wiener Manufaktur unbekannt waren (Abb. 420). Der 
Reliefgolddekor des Randes ist von guter Qualität, wenn er auch immer wieder winzige, 
abgeplatzte Stellen der Goldoberfläche aufweist (Abb. 420, 421). 
Von erstaunlicher Qualität sind die früheren Reliefgoldmalereien der Firma Ernst Wahliss, 
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