MAK

Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

□ 
□ 
□ 
Abb. 422. Teller, Wiener Porezllan, 1864; eingestem 
pelt: Bindenschild, 864, 5; D 24,4 cm. - ÖMAK Inv. Ke 
441 
£ 
'-sT- 
Abb. 423. Detail des Tellers Abb. 422 
die, wie bereits erwähnt (S. 228), gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Porzellanfabrik in 
Turn bei Teplitz erworben hatte. 
Hier kann über die Herkunft kein Zweifel bestehen, da die Firma ihre Porzellane mit der einge 
preßten Firmenmarke (Bindenschild und Krone), die mit blauer Farbe nachgemalt wurde, 
kennzeichnete. In Form und Dekor scheinen vor allem manche Henkelschalen und ihre Un 
tertassen (Abb. 424) den Altwiener Porzellanen ähnlich und technisch durchaus ebenbürtig 
zu sein. 
Einige Details mögen die Techniken des mechanisch aufgebrachten Golddekors veran 
schaulichen, der ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in großem Umfang zur Dekora 
tion verwendet wurde. Die Charakteristika des Pinselstriches fehlen naturgemäß völlig. Die 
flächtig gestempelten Goldmotive zeigen keine einheitlichen Oberflächen, sondern lassen 
immer wieder Fehlstellen winziger Ausdehnung erkennen (Abb. 425). Manche gestempelten 
Dekore scheinen übermalt, die reliefartig aufgebrachten Goldpünktchen sind in den selten 
sten Fällen in jener Perfektion wie die gemalten Dekore der alten Wiener Manufaktur oder bei 
Rädler & Pilz erhalten, sondern meist sind ganze Kreisflächen abgeplatzt oder durch 
Bläschenbildung teilweise zerstört. Die häufig sehr vielteiligen Muster waren durch Stem 
pelung natürlich rascher und scheinbar unproblematischer aufzubringen. Ein Motiv wurde 
neben das andere gestempelt, wobei der dafür vorgesehene Raum sehr oft nicht aus 
reichte und das gestempelte Motiv über die vorgesehene Fläche hinausragte. Die meist sehr 
flüchtigen Ergänzungen durch Malerei konnten die Mängel dieser Technik kaum verdecken, 
im Gegenteil, sie trugen das Ihre dazu bei, die Flüchtigkeit der Ausführung erkennbar zu ma 
chen. Vor allem an den Anschlußstellen ließ die Goldstempelung manches zu wünschen 
übrig. Ohne allzugroße Gewissenhaftigkeit stempelte man die entsprechenden Motive um 
einen Teller herum, bis die Anfangs- und Endstellen einander mehr oder weniger überschnit- 
374
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.