MAK

Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

Abb. 424. Schale mit Untertasse; Ernst Wahliss, Wien-Turn; unterglasurblaue Wahliss-Marke, bez.: Wahliss, Wien, 
457; H (Schale): 6,4 cm, D (Untertasse): 13,7 cm. - Firma Ernst Wahliss, Wien 
ten. Manchmal war der Stempelabdruck zu schwach, oder die Glasur nahm ihn nur teilweise 
auf, oder die Haftung auf der Glasur war nach dem Brand schlecht — so kann man immer wie 
der Fehlstellen bemerken, die manchmal wohl auch auf spätere Beschädigung zurückzu 
führen sind. 
Bei qualitätvoller ausgeführten Golddekoren bedienten sich die Fabriken der manuellen Ma 
lerei in größerem Ausmaß: sie verwendeten dafür mit Vorliebe Höhungen aus weißer, opaker 
Emailfarbe, die der ganzen Dekoration den Anschein von Handmalerei geben sollte (Abb. 
427, 428). Sieht man jedoch genau hin, vor allem mit einer Lupe, so erkennt man neben den 
gemalten Einzelmotiven die gestempelten Goldmotive links und rechts neben dem gemalten 
Feld (Abb. 428). 
Wie unendlich schwierig die Herstellung eines echten Wiener Reliefgolddekores gewesen 
sein mußte, zeigen immer wieder die mißglückten Versuche sogenannter „Restauratoren”, 
die sich an Sorgenthal-Porzellane wagen und daran kläglich scheitern. In der Makroaufnah 
me deutlich erkennbar (Abb. 477), ist auf der rechten Hälfte der Abbildung das originale Re 
liefgold zu sehen: eine spiralig eingerollte Ranke mit beerenartigen Motiven. Die linke Hälfte 
des symmetrischen Motivs ist „restauriert”, ebenso die linke Hälfte des darüberliegenden 
Tellerrandes sowie nahezu der gesamte Abschluß nach unten, dessen Ornament aus Bögen 
und vertikalen Strichen in der alten Wiener Manufaktur in dieser niederen Qualität undenkbar 
gewesen wäre. Dieses Detail ist einem Teller entnommen, der so stark verrestauriert war, 
daß er fast den Eindruck einer Fälschung, zumindest aber einer Verfälschung, machte, was 
er im Grunde infolge der schlechten Restaurierung auch ist. 
Einen sehr einfachen, schematisierten Golddekor auf blauem Grund zeigt ein Porzellanfrag 
ment, das ursprünglich vermutlich als Postamentfüreine Vase diente (Abb. 430). Der Dekor ist 
eher flüchtig angebracht. Auf dem oberen Standring ist das Porzellan durch einen gefälschten,
	        
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