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Volltext: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

TELLER, VASEN, DECKELDOSEN, PLATTEN VERSCHIEDENER PROVENIENZ 
Die „Verlassene Ariadne” der Angelika Kauffmann finden wir im Spiegel von Tellern, auf Va 
sen und Platten wieder. Ein metallmontierter Teller, solcherweise zum Tafelaufsatz 
(Abb. 499,500) geworden, mit dem gefälschten Wiener Bindenschild versehen, ist mit dieser 
Szene im Spiegel bunt dekoriert und mit starken opaken Farben (Weiß und Gelb) gehöht. 
Typisch für diese Art von Produktion ist auch die Randzone mit ihren roten und blauen Fel 
dern auf hellrosa Fond, dem teilweise abgeriebenen Golddekor und den opaken, unregel 
mäßigen Emailpunkten. Ein bei Sotheby’s Belgravia 1973 versteigerter Teller zeigt dieselbe 
Darstellung, nur seitenverkehrt, und am Fuß einer Vase, die vom gleichen Auktionshaus an- 
geboten wurde (Abb. 501), ist dieselbe Szene zu finden, wenn auch in rechteckiger Um 
rahmung. Wäre nicht der Bindenschild blau auf der Glasur angebracht, wiese auch die Form 
der Vase auf eine Entstehung außerhalb der Wiener Manufaktur hin, ebenso die Aufteilung 
des Dekors und seine Technik. 
Zwei figural bemalte Platten (Abb. 502,503), die laut Sotheby-Katalog nicht einmal Porzellan 
sind („earthenware plaques”), wurden von R. Ullmann nach Szenen der Angelika Kauffmann 
(„Schmückung der Venus”) bemalt; ob Ullman oder die Fabrik, die die Platten zur Verfügung 
stellte, für die Fälschung des blauen Bindenschildes verantwortlich ist, läßt sich nicht mehr 
sagen. 
Die „Altrohlauer Porzellanfabrik Moritz Zdekauer” in Altrohlau bei Karlsbad wurde 1810 ge 
gründet und in der ersten Zeit von Benedikt Hasslacher, später von August Nowotny und 
dann von Moritz Zdekauer und (bis 1909) seinen Nachkommen geführt. Die Produktion des 
Jahres 1887 (Adreßbuch 1887, S. 2) umfaßte vor allem Gebrauchsgeschirre, die in eigener 
Malerei und Druckerei von insgesamt 320 Arbeitern erzeugt wurden. Die Fabrik war export 
orientiert und besaß Vertreter in Hamburg, London, Gablonz, Triest und Cadiz. Im Jahre 1907, 
als der Inhaber Dr. Carl Freiherr von Wolf Zdekauer, Prag, die Fabrik führte, wurde das Pro 
gramm noch genauer angegeben: „Sämtliche Gebrauchsgeschirre. Tafel-, Kaffee-, Tee-, 
Mokka- und Waschservice, Küchengeschirre, Blumentöpfe, Vasen, Wandteller in allen mögli 
chen Dekoren u. Kobalt-Zwiebelmuster” (Adreßbuch 1907, S. 282). Die zeitgenössischen 
Berichte wiesen immer wieder auf den Export in alle Länder hin. Zusätzlich zur bereits 
genannten Malerei und Druckerei wurde um 1907 auch eine „Anstalt für Abziehbilder etc.” 
erwähnt; der Personalstand mit 1100 Arbeiter war ungewöhnlich hoch. Die Auslandsvertre 
tungen und -niederlagen jener Zeit sind kaum mehr aufzählbar und schließen Budapest, 
Capetown, Kopenhagen, Mailand usw. ein. 
Bereits aus der Zeit nach dem ersten Weltkrieg stammt ein vielteiliges Tafelservice, von dem 
hier einige Teile abgebildet seien (Abb. 504-507). Die Dekoration dieser Porzellane ist ganz 
in der Art der auf Serienerzeugung eingerichteten Fabrik geschaffen worden: mittels bunter 
Abziehbilder und gestempelter Golddekore auf farbigen (hell- und dunkelgrünen, elfenbein 
farbenen, roten, blauen) Zonen, mit vergoldeten Handhaben und Goldrändern. Die daraus 
sich ergebenden Schäden sind ebenfalls typisch: abgesplitterte Goldpünktchen, Risse in 
den Flächen der Abziehbilder. 
Die Kennzeichnung der Rückseite eines solchen Porzellans umfaßt: den gestempelten 
blauen Bindenschild auf der Glasur, den Fabrikstempel, der allerdings nicht auf allen Einzel 
teilen vorkommt, sowie eingepreßte und aufgemalte Buchstaben und Ziffern, die wohl 
Modell- und Dekornummern bzw. Malernummern bedeuten. 
Ikonographisch handelt es sich meist um mythologische Szenen, wie dem Raub der Europa 
auf der zweihenkeligen Anbiettasse (Abb. 504). 
Eine Henkeltasse im Stil der Sorgenthal-Zeit, mit konischer Wandung und vergoldetem 
Spiralhenkel, ist schon deshalb als Fälschung erkennbar, weil sie mit einem aufglasurblauen 
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