er sie stark in die Vertiefungen des Stiches drückt, um dieselben gut auszufüllen. Die über
flüssige Farbe streicht er nun mit der dünnen Stahlklinge von der Platte ab, und reinigt die
letztere noch weiter, indem er sie mit einem, mit Samt oder feinen wollenen Lappen überzo
genen weichen Tupfballen überreibt. Während des Ueberreibens drückt der Arbeiter den Bal
len öfter auf eine neben ihm liegende Kupferplatte, um ihn von der daran klebenden Farbe zu
befreien. Diese beiden letzten Operationen erfordern viel Geschicklichkeit und Handfertig
keit. Beim Abstreifen der überflüssigen Farbe muß der Arbeiter nicht nur schnell sein und
möglichst wenig Farbe auf der Platte lassen, er muß auch zu gleicher Zeit die Platte schonen.
Um nun den Abdruck zu machen, mäßt man die mit Farbe versehene, noch warme oder
wieder gewärmte Kupferplatte, auf einer sehr ebenen Platte von Gußeisen liegend, zwischen
zwei Walzen von Gußeisen, welche mit Filz oder mit mehreren Lagen von Flanell überzogen
sind, durchgehen. Die gußeiserne Platte hat ungefähr die Breite der Kupferplatte, die dop
pelte Länge derselben und eine Dicke von zwei Zentimeter. Sie bewegt sich frei zwischen den
Walzen. Die eine der Walzen bewegt der Drucker durch eine Kurbel, ihre Entfernung von der
andern Walze läßt sich durch Schrauben regeln. Um das Einstellen der Walzen auf die richti
ge Entfernung beim Wechsel der Platten nicht jedesmal vornehmen zu müssen, da diese Ar
beit zeitraubend ist, sollen die Kupferplatten, sowie die eisernen Unterlagsplatten immer von
gleicher Dicke sein.
Das Druckpapier, auf welches gedruckt wird, ist ein ungeleimtes, feines und doch festes
Papier. Die kleine Stadt Newcastl under Lyne, Hauptstadt des Poteriedistrikts in England, hat
mehrere Papierfabriken, welche sich besonders mit der Erzeugung dieses, unter dem Namen
potery tissue bekannten Papiers beschäftigen und fast ganz Europa damit versehen.
Ehe man das Papier auf die Kupferplatte bringt, wird dasselbe mittels eines großen Pinsels
mit Seifenwasser aus schwarzer Seife, dem man etwas Soda zusetzt, bestrichen. Wenn die
Platte mit dem Papier durch die Walzen hin und zurück gegangen ist, wird erstere kurze Zeit
auf den Wärmeofen gelegt, um die Abnahme des bedruckten Papiers zu erleichtern.
Der fertige Abdruck wird nun unmittelbar angewendet. Man schneidet alles überflüssige
Papier ab, läßt den Druck, um ihn gänzlich zu durchfeuchten, einige Zeit auf Wasser schwim
men, nimmt das überflüssige Wasser fort, indem man den Druck mit der Rückseite auf eine
Biskuitplatte legt, bringt darauf die Druckseite auf den zu dekorierenden Gegenstand, wel
cher vorher mit einem Firnis aus 12 Teilen Terpentinöl und 1 Teil Kopallack bestrichen und in
der Wärme getrocknet wurde, und drückt das Papier mittels eines weichen Baumwollballens
oder einer kleinen Flanellwalze sanft an. Diese Flanellwalze ist 50 bis 60 cm lang und 3 bis 4
cm im Durchmesser.
Das angeriebene Papier wird dadurch entfernt, daß man den Gegenstand in Wasser stellt
oder daß Papier mit einem nassen Schwamm abreibt, allein nicht unmittelbar nach der Appli
kation des Druckes, sondern erst nach einiger Zeit.
Das beschriebene Verfahren wird eigentlich nur auf unglasierten Gegenständen, die erst
nachher glasiert werden, angewendet; dieselben müssen daher noch einmal, um das Fett zu
verbrennen, ausgeglüht werden, was in eigenen Muffelöfen geschieht.
Es läßt sich aber auch zum Uebertragen von Druck auf die Glasur anwenden. Die einzige
Schwierigkeit hierbei findet nur bei der Wegnahme des Papiers vom Objekte statt.
Ein vorzügliches Mittel, um das Papier von glasierten Flächen abzuziehen, besteht darin,
dasselbe mittels eines Pinsels oder Schwammes mit Terpentinöl zu bestreichen. Es löst sich
dann sehr leicht ab und die Zeichnung bleibt vollkommen scharf und rein auf der glasierten
Oberfläche zurück, nur darf man nicht zu viel Terpentinöl anwenden, weil sonst der Firnis zu
sehr erweicht und die Zeichnung ihre Schärfe verlieren würde.
Umdrücke durch Abklatschen. Zur Darstellung von Abdrücken auf die Glasur wen
det man in England noch ein anderes Verfahren an. Es besteht darin, daß man mittels Leim
tafeln die Zeichnungen in Beizfirnis auf die Oberfläche überträgt und dann die Farbe auf
staubt.
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