Putzen der Platten zu viel auswischt und daher lichter als die Conturen wird. Hingegen bei
Anwendung der Rädchen ist es viel leichter möglich, gleichmäßig starke Schrift zu erzielen,
da sich die Schrift gleichmäßiger putzen läßt und die kleinen erhöhten Zwischenräume von
einem Pünktchen zum anderen das zu viele Herauswischen der Farbe verhindern und diese
kleinen, etwas lichteren Pünktchen beim Uebertragen des Druckes auf das Geschirr, nämlich
durch das Andrücken und Anrollen von der anderen Farbe bedeckt werden, wodurch der
ganzen Schrift ein gleichmäßiges Aussehen verliehen wird” (Sprechsaal 1896, S. 357-358).
RUDOLF HAINBACH: DAS ÜBERTRAGEN VON FARBEN AUF DIE GESCHIRRE
DURCH UMDRUCK (1907)
„Das sogenannte .Drucken’ auf Steingut oder anderen keramischen Massen ist in Wirklich
keit kein Drucken im gewöhnlichen Sinne, sondern ein .Umdrucken’ eines in der Presse her
gestellten Druckes. Da man nach diesem Verfahren imstande ist, sowohl einfarbige Bilder als
auch solche, in welchen eine größere Anzahl von Farben enthalten ist, in einfacher Weise auf
die Geschirre zu übertragen, hat dasselbe, namentlich seit es auf die gegenwärtige Stufe der
Vollkommenheit gebracht wurde, eine sehr große Anwendung in der Keramik gefunden, da
es die Frage gelöst hat, sehr hübsche Malereien auf Geschirren in sehr einfacher und billiger
Weise herzustellen. Das Wesentliche des Umdruckverfahrens für keramische Zwecke be
steht darin, daß man von einer gravierten oder geätzten Stahl-, Kupfer- oder Steinplatte (in
neuerer Zeit auch von Aluminiumplatten) in der Kupferdruck- oder der lithographischen Pres
se auf einem besonders zubereiteten Papier einen Abdruck herstellt, der selbstverständlich
in keramischen Farben ausgeführt werden muß. Der frische Druck wird an jene Stelle des Ge
schirres gelegt, an welchem das Bild erscheinen soll, und fest angedrückt. Die klebrige Farbe
haftet sehr fest an dem porösen Scherben und kann das besonders präparierte Papier vor
sichtig abgezogen werden, indes das Bild an dem Scherben haften bleibt. Man setzt sodann
den Gegenstand einer schwachen Glühhitze aus, um das Bindemittel, mit welchem die Far
ben zum Zwecke des Druckes angerieben sein müssen, zu zerstören, glasiert ihn sodann
und brennt die Glasur ein. Obwohl sich der ganze Vorgang des Umdruckverfahrens in diesen
wenigen Worten zusammenfassen läßt, sind bei der Durchführung desselben dennoch eine
größere Zahl von Vorsichtsmaßregeln zu beobachten, indem es nur bei Befolgung derselben
gelingt, durch das Umdruckverfahren wirklich tadellose Bilder auf den keramischen Gegen
ständen zu erzielen.
Die Originalplatten für den Umdruck
Für die Zwecke des Umdruckes verwendete man früher ausschließlich Stahlplatten oder
Kupferplatten und gab letzteren bald vor den ersteren den Vorzug, indem die Kupferplatten
leichter zu bearbeiten sind und auch die Umrisse der Bilder weicher erscheinen. In neuerer
Zeit verwendet man auch häufig Platten aus Aluminium und hat diesem Vervielfältigungsver
fahren den Namen .Algraphie’ gegeben und wird dasselbe jetzt viel häufiger angewendet als
das lithographische Verfahren.
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