PHOTOGRAPHIE AUF PORZELLAN
Noch bevor sich Kosch an der Wiener Porzellanmanufaktur mit der Photographie auf Porzel
lan befaßte, waren solche Erzeugnisse schon auf der Londoner Weltausstellung 1862 ausge
stellt worden. Hunt berichtet darüber: „Lafon de Camarsac has photographs on porcelain,
which have been subjected to vitrification. Taupenot exhibits the process published by him in
1855 ...” (Hunt 11/1862, S. 448-449).
In Wien war es der Photograph Julius Leth, der sich dieser besonderen Dekorationsart
widmete. Bereits im Jahre 1867 schenkte Leth einige seiner Arbeiten dem österreichischen
Museum für Kunst und Industrie, sodaß wir etwa den Zeitpunkt wissen, zu dem er sich mit der
sogenannten „Porzellanphotographie” beschäftigte.
Er nahm auch an der „Internationalen Kunst- und Industrie-Ausstellung” in Londen 1871 teil,
und Ed. Schmidt verdanken wir anläßlich einer Berichterstattung von dieser Ausstellung die
Beschreibung des Leth’schen Verfahrens (Schmidt 1872, S. 143-144): „Von dem Gegen
stand, dessen Bild auf Porzellan übertragen werden soll, fertigt er zunächst ein gewöhnliches
Negativ an. Von diesem macht er ein Glaspositiv auf Collodium, welches als Matrize für das
später zu erzeugende Staubfarbenbild dient. Nun nimmt er eine andere Glasplatte und breitet
auf derselben eine Schichte aus, die aus folgenden Substanzen besteht. Eine Gummilösung
wird mit Honig vermischt, mit doppel-chromsaurem Kali versetzt und bis zur gehörigen
Consistenz mit Wasser verdünnt. Die Verhältnisse dieser Substanz sind durch die Erfahrung
gegeben, müssen aber je nach der Jahreszeit abgeändert werden. Man nennt diese Schichte
die photographische Schichte und wird dieselbe über einer Spiritusflamme schnell
getrocknet und unter dem oben erwähnten Glaspositiv dem Lichte exponirt. Die untere, vom
Licht abgekehrte Glasfläche wird durch eine Unterlage von schwarzem Tuch gegen das Ein
dringen des Lichtes von unten geschützt. Die durch das Chromsalz sensibilisirte Gummi
schichte bleibt an jenen Stellen, welche durch die Schattenpartien des Glaspositivs gedeckt
werden, hygroskopisch; jene Stellen aber, die den Lichtpartien des Glaspositivs entsprechen
und also vom Lichte getroffen werden, werden unlöslich und hart. War die Expositionszeit die
richtige, so nimmt die sensibilisirte Fläche nach Entfernung des Glaspositivs Emailfarben, die
zu feinem Pulver zerrieben wurden, in verschiedener Weise an, und zwar bleiben die
Staubpartikelchen auf den hygroskopischen Schattenpartien in dichter Lager haften,
während sie über die Lichtpartien hinweggleiten, wenn man das Farbenpulver mit einem wei
chen Pinsel über die belichtete Fläche hin- und herführt.
Die Halbtöne nehmen nach Massgabe der Lichtintensität auch mehr oder weniger das Far
benpulver an, und man erhält somit auf der Gummifläche ein positives Staubfarbenbild.
Man entfernt die überflüssigen Farbenpartikelchen durch Aufstellen des Glases mit der Kante
auf den Tisch, überzieht die Bildfläche mit Collodium und nach Verdampfung des Aethers gibt
man das Bild in ein schwaches Säurenbad. Hier wird das Bichromat zersetzt, das Staubfar
benbild, welches an der Collodiumhaut haftet, löst sich mit dieser Haut vom Glase los, wenn
man die letztere in einem grossen Gefäss mit Wasser über die Glasfläche herabzieht.
Nun schwimmt das Bild in diesem Wassergefäß und durch geschickte Manipulation bringt
man dasselbe auf jenen Porzellangegenstand, auf welchen es eingebrannt werden soll, in
dem man diesen letzteren in Wasser untertaucht und unter das flach schwimmende Bild zu
bringen versucht. Das Bild legt sich beim Herausheben des Gegenstandes an die Porzellan
fläche an und wird nun durch leises Hin- und Herziehen in seiner Lage vollkommen regulirt.
Die Collodiumhaut muß den Porzellangegenstand berühren und das Staubfarbenbild nach
aufwärts liegen. Ist die Collodiumhaut vollkommen ausgetrocknet, so wird das Emailfarben
bild in einem rotglühenden Muffelofen auf den Gegenstand eingebrannt.
Es gibt noch eine Menge Variationen dieser Methode, die in verschiedenen Fällen in
zweckmässiger Weise angewendet werden.
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