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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

daß bei Anwendung der Goldlösung das Bild seine Färbung in Rotbraun umwandelt, indes es 
bei Verwendung von Platinchlorid in ein tiefes Stahlgrau übergeht. Es findet hierbei der 
Vorgang statt, daß sich das Silber mit dem Chlor zu Chlorsilber verbindet, indes Gold, bezie 
hungsweise Platin in höchst verteilter Form ausgeschieden wird. 
Wenn man das Bild auf diese Weise ,färbt’ oder ,tont’, wie die hierfür bei den Photographen 
üblichen Bezeichnungen lauten, muß man es, nachdem es gefärbt ist, wieder mit einer Lö 
sung von unterschwefeligsaurem Natron behandeln, um das Chlorsilber zu entfernen. 
Am geeignetsten zur Herstellung von keramischen Photographien erscheint neben dem Pla 
tinchlorid das Iridiumchlorid, welches tiefschwarze Bilder liefert. Mischungen aus 
Platinchlorid und Uranchlorid geben einen schönen, warmen, rotbraunen Farbenton, wenn 
das Bild eingebrannt wird. Unter Anwendung von Manganchlorid zum Tonen erhält man Bil 
der, welche einen braunen Farbenton zeigen, ähnlich wie ihn mit Sepia ausgeführte Male 
reien zeigen. Durch Mitverwendung von Eisenchlorid neben Manganchlorid oder Uranchlorid 
läßt sich der Farbenton der Bilder ebenfalls abändern, so daß es mit keinen nennenswerten 
Schwierigkeiten verbunden ist, das photographische Bild in sehr verschiedenen Farben zu 
erhalten. 
Das getonte Bild wird mit der Bildfläche nach unten auf jene Stelle des Porzellangegenstan 
des gelegt, an welches es gehört, vollkommen glatt gestrichen und dann mit dem ,Fluß’, 
welcher zum Einbrennen erforderlich ist, eingestaubt oder mittels eines weichen Pinsels mit 
dem mit Wasser zu einem sehr dünnen Brei angerührten Flußmittel bestrichen. Nachdem 
sowohl das Bild als auch der Fluß vollkommen trocken geworden sind, kann das Bild einge 
brannt werden. 
An Stelle der Übertragung des auf Kollodium angefertigten Bildes auf den Porzellangegen 
stand wendet man in der Photokeramik häufig ein anderes Verfahren an, welches als ,Ein 
stäuberverfahren’ bezeichnet wird. In seinen Grundzügen beruht dieses Verfahren auf fol 
genden chemischen Tatsachen: Wenn man in einer klaren Lösung des reinsten Tierleimes, 
der sogenannten .Gelatine’, im Dunkeln eine gewisse Menge einer Lösung von zweifach 
chromsaurem Kali (.Kaliumbichromat’) zusetzt, so wird eine lichtempfindliche Masse erhal 
ten. Wenn man - immer im Dunkeln! — eine Glastafel mit der eben beschriebenen 
Flüssigkeit übergießt und läßt dieselbe eintrocknen, so erhält man auf der Glastafel eine nur 
sehr schwach gelblich gefärbte Schicht. 
Wenn man ein auf Kollodium und Glas angefertigtes photographisches Bild mit der Bildfläche 
nach unten auf die Gelatinetafel legt und das Ganze im Kopierrahmen der Einwirkung des 
Lichtes aussetzt, so wird an jenen Stellen, welche vom Lichte getroffen werden, die Gelatine 
schicht unlöslich; an Stellen aber, an welchen das Licht frei durch die Photographie gehen 
konnte, tritt vollständige Unlöslichkeit ein, wo jedoch gar kein Licht durchtreten konnte, bleibt 
die Gelatine löslich. 
Man bestäubt nunmehr die ganze Platte mit einem auf das feinste verteilten Porzellanfarb 
stoff ganz gleichförmig, schüttelt den Überschuß des Pulvers ab und bläst den nicht haften 
gebliebenen Rest mittels eines kleinen Blasebalges weg. Das Wegblasen darf nicht mit dem 
Munde vorgenommen werden, weil der Hauch Wasserdunst mit sich führt und dieser das Bild 
klebrig machen würde. 
Wie erwähnt, ist die Gelatine an den vom Lichte getroffenen Stellen unlöslich geworden; es 
haftet daher an diesen keine Farbe; sie ist aber an den nicht belichteten Stellen löslich geblie 
ben und klebrig; es nehmen daher diese Stellen das Farbepulver an und man erhält nach dem 
Bestäuben sofort das photographische Bild auf der Gelatinetafel. 
Nach dem Abblasen der überschüssigen Farbe muß das Pulver, welches nur sehr lose auf 
liegt, fixiert werden und geschieht dies in der Weise, daß man das Bild mit reinem Kollodium, 
welches etwas Rizinusöl zugesetzt bekam, um es geschmeidiger zu machen, übergießt, so 
daß nunmehr das Farbenpulver zwischen Gelatine und Kollodium eingeschlossen ist. Nach 
dem vollständigen Trockenwerden des Kollodiums schneidet man die Ränder der Bildschicht 
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