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Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

und Farbnuance. Dazu kommt noch die außerordentliche Beschränkung der Palette; be 
stimmte Farben (Blau z.B.), sowie alle die reizvollen modernen Mischtöne ließen sich bisher 
selbst bei bescheidensten Anforderungen an Gleichmäßigkeit nicht erzeugen. Ferner wer 
den helle Farben fast immer matt, größere Flächen stets porös, feine Linien verquetschen 
sich und wirken dann störend. Letzterem Uebelstand suchte man zwar zu begegnen, indem 
man die Stempelfarbe recht zäh und .steif’ anmischte, dann aber haftet beim Ueberpudern so 
wenig Farbpulver am Dekor, daß satte Töne von vornherein ausgeschlossen sind. 
Diese zahlreichen technischen Schwierigkeiten, welche der Erreichung eines erstklassigen 
Erzeugnisses bei Anwendung von Farbstempeln für die Dekoration hinderlich sind und 
das Endergebnis in Frage stellen, haben die Verwendung dieser Vezierungsart bisher sehr 
eingeschränkt und für Qualitätsware, soweit Farbdekore in Frage kommen, gänzlich ausge 
schlossen. 
Das ist im Interesse der wünschenswerten Bereicherung unserer Verzierungstechniken in 
der Feinkeramik umsomehr zu bedauern, als das Stempelverfahren neben seinen verschie 
denen Vorzügen fabrikatorischer Natur eine außerordentlich glückliche Verschmelzung me 
chanischer mit individuell-manueller Tätigkeit darstellt und deshalb schon, rein künstlerisch 
betrachtet, ein Neuland mit ungeahnten Möglichkeiten bildet. Es lohnt daher wohl, die bishe 
rigen Versuche, den Farbstempel der Geschirrdekoration in ausgedehnterem Maße dienst 
bar zu machen, fortzusetzen. Ein günstiges Endergebnis wird hier, wie auf allen anderen 
Gebieten deutschen technischen Neuschaffens, die Frucht der Arbeit und der Versuche 
sein. 
Die Grundzüge der bisherigen Stempeltechnik aber dürften wohl kaum zum ersehnten Ziele 
führen, denn was damit zu erreichen war, ist von unseren alten, geübten Stemplern in den 
Qualitätsfabriken bereits erreicht worden. Und das genügt eben nicht; es betrifft in der Haupt 
sache nur Glanz- und Pudergold, also Materialien, die uns sicherlich noch auf Jahre hinaus 
nur in ungenügendem Maße und zu hohen Preisen zugänglich sein werden. Es sind also 
andere Wege einzuschlagen, um die anerkannten Vorzüge des Stempelverfahrens auch 
dem Farbdekor dienstbar zu machen. 
Einen derselben sehe ich nun in der Verbindung des Stempelverfahrens mit dem Spritzver 
fahren. Was keine dieser beiden langjährig erprobten und leistungsfähigen Techniken für 
sich allein zu bieten vermag, vereint zeitigen sie überraschende Resultate. Wird die Farbe auf 
den vorgestempelten Dekor nämlich nicht mit Puderballen oder Pinsel wie bisher, sondern 
mittels des Luftdruckspritzapparates aufgestäubt, so läßt sich, da eine Entmischung oder un 
gleichmäßige Verteilung des Farbpulvers nicht stattfindet, nicht nur jeder Farbton ohne wei 
teres verwenden, sondern auch die in der Technik des Stempelns begründete Porosität 
größerer Flächen wird behoben oder doch stark eingeschränkt. Bietet also einerseits das 
Stempeln der Muster die absolute Gewähr für saubere scharfe Kontur, Ausführbarkeit jeden 
ornamentalen Entwurfes, billige Einrichtungskosten eines neuen Musters und niedrigen Ar 
beitslohn bei leichter Erlernbarkeit des Verfahrens, so wird andererseits durch das Einstauben 
der Dekore mittels Spritzapparates die Verwendung aller keramischen Farben und die 
gleichmäßige Farblage auch bei Massenfabrikation und großen Flächen gewährleistet. 
Durch die Vereinigung der beiden Verfahren wird also eine sehr erhebliche Bereicherung der 
feinkeramischen Technik erzielt, weil es ja ganz unmöglich ist, mit den bis jetzt bekannten 
und geübten Herstellungsmethoden gleichmäßige ornamentale Flächenmuster mit scharfen 
Konturen durch Stempeln oder durch Spritzen allein in wirklich vollendeter Weise zu erzeu 
gen, alle anderen Dekorationsverfahren der Keramik aber die dem Stempeln und Spritzen 
innewohnenden bedeutenden Vorzüge technischer, künstlerischer und wirtschaftlicher Na 
tur nicht besitzen. Nur durch die Vereinigung der beiden an sich ja längst und gründlich er 
probten Verfahren in geeigneter Weise ist es möglich, künstlerisch wertvolle Flächenmuster 
als Qualitätsprodukt auch in kleinen Quantitäten industriell rentabel zu erzeugen. Gerade der 
schon vor dem Kriege bestehende und durch denselben leider noch gesteigerte erhebliche 
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