MAK

Full text: Wiener Porzellan: Original, Kopie, Verfälschung, Fälschung

die 1923 zum legitimen Nachfolger der „k.k. Aerarial-Porzellanmanufaktur” wurde und in 
vielen Markenregistrierungen dieser Zeit den Bindenschild mit zahlreichen variierenden Bei 
schriften und Zeichen verwendete. 1943 schließlich ließ Dr. Siegried Ilse als damaliger Be 
sitzer der Manufaktur einen Bindenschild mit der Umschrift,,terra sigillata” registrieren, eine 
Marke, die die Imitation der Terra sigillata in Porzellan charakterisieren sollte. 
Einen Bindenschild mit schräg verlaufenden Linien anstelle der Horizontalen verwendete 
Robert Franz Staral in seiner Firmenmarke mit der Umschrift VIENNA AUSTRIA STARAL 
1886 (1923, 1943). 
In ihrer Marke verwendete auch die Berlinger Porzellan-Manufaktur Conrad Schomburg & 
Co., Teltow, Brandenburg, den Bindenschild, ebenso die 1916 gegründete Firma von Franz 
Neukirchner in Marktredwitz und die Firma Thieme in Potschappel, die den Bienenkorb tat 
sächlich mit einer Biene sowie der Unterschrift „Dresden” versah. Diese Marke wurde offi 
ziell registriert und ist nicht leicht mit dem Wiener Bindenschild zu verwechseln, auch nicht 
vom flüchtigen Betrachter. Dennoch beurteilte Gustav E. Pazaurek diese Marke sehr kritisch: 
„Der .Bienenkorb’, der aus dem auf den Kopf gestellten Balken- oder Bindenschild entstan 
den ist, scheint, wie jeder Unsinn, eine unbegrenzte Lebensdauerzu besitzen, die auch durch 
noch so viele Aufklärungen nicht abgekürzt werden kann. Die Krone der Verkehrtheiten hat 
sich jedoch die in Markenfragen ungemein spekulative Firma C. Thieme in Potschappel ge 
leistet, indem sie sich 1903 einen wirklichen Bienenkorb (die umgekehrte alte Wiener Por 
zellanmarke aber dazu noch mit Flugloch und Biene) als ihr Fabrikszeichen schützen ließ. Wir 
gönnen ihr diesen billigen Scherz, der wenigstens hoffentlich keine allzugroßen Irreführun 
gen im Gefolge haben wird” (Pazaurek 1904, S. 55). Diese Beurteilung scheint mir etwas hart, 
denn die Marke Thiemes unterscheidet sich doch vom Wiener Bindenschild so stark, daß 
eine Täuschung schwer möglich ist. 
SOGENANNTE „VERWECHSLUNGSFÄHIGE FREMDE TYPEN” 
Von einer „täuschungsfähigen Ähnlichkeit von Marken” spricht Abel in seinem „System des 
österreichischen Markenrechtes.” Seiner Meinung nach erstreckt sich „das Untersagungs 
recht des Inhabers der Marke ... auf alle Warenbezeichnungen, welche der hinterlegten 
Marke gleich oder täuschungsfähig ähnlich sind.” Dies trifft dann zu, wenn „die Marke... mit 
so geringen Abänderungen oder in so undeutlicher Weise wiedergegeben ist, daß der Unter 
schied von dem gewöhnlichen Käufer der betreffenden Waren nur durch Anwendung beson 
derer Aufmerksamkeit wahrgenommen werden könnte” (Abel 1908, S. 183,184). 
Es liegen zeitgenössische Berichte darüber vor, daß die Manufaktur Meißen mit wechseln 
dem Erfolg manche der Schwertermarke ähnliche Zeichen bekämpfte. Meißen hatte seine 
Marken registrieren und die Registrierung ständig erneuern lassen, so daß diese Handhabe 
möglich war. Der Bindenschild als Marke einer längst geschlossenen Manufaktur war 
schwerer zu verteidigen; dazu kommt, daß die Interessen der Wiener Porzellanmanufaktur 
nach deren Schließung offensichtlich von niemandem wahrgenommen wurden. So entstan 
den zahlreiche solcher „verwechslungsfähigen fremden Typen”. Dazu gehören die Marken 
von Dörfl in Wien, jene von Hohenberg, Eichwald, Suhl, Langewiesen, Volkstedt und vieler 
anderer Fabriken. Die Veränderung des Bindenschildes bei diesen Marken ist so gering, daß 
eine Täuschung leicht zustandekommt; wurden doch nur Punkte, Türchen oder andere mini 
male Zutaten hinzugefügt oder nur die Form des Bindenschildes (bei Volkstedt geschwun 
gene anstelle horizontaler Linien) leicht verändert. Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Wiener 
Bindenschild, wenn auch meiner Ansicht nach keine „täuschungsfähige”, haben bestimmte 
andere Marken: so die zahlreichen Kombinationen des Schildes der Wächtersbacher Marke 
(meist eine Wort-Bild-Marke, manchmal auch als Schild allein verwendet), die Marken von 
Ansbach, Kopenhagen, Closter Veilsdorf, Gerona u.a. 
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