EINFÜHRUNG
I. BRITISCHE ZEICHNER UND AQUARELLISTEN
Es ist vielleicht wichtig, zu betonen, daß dies eine Aus
stellung britischer Graphik ist, nicht britischer Malerei. Die vor
geführten Werke illustrieren die durch diese Einschränkung be
dingten Vorzüge und Mängel. Mögen auch namhafte Unter
lassungen zu entdecken sein, so werden hier doch in großer
Mannigfaltigkeit und mit annähernder Vollständigkeit die meisten
der hervorragenden britischen Künstler von 1750 bis zum heutigen
Tag gebracht, die sich als Graphiker ausgezeichnet haben. Einige
unserer berühmtesten Maler, wie Sir Joshua Reynolds, Georg Mor-
land oder Sir Henry Raeburn, sind in dieser einen Beziehung (wenn
auch kaum in irgendeiner anderen) mit Velazquez und Frans Hals
zu vergleichen, da es kaum Zeichnungen von ihrer Hand gibt. In
Privatbesitz sind jedenfalls authentische Zeichnungen von Rey
nolds oder seinem berühmten Nachfolger auf dem Präsidenten-
sfuhl der Royal Academy, Sir Thomas Lawrence, nur sehr schwer
zu finden. Dasselbe gilt von ihrem unakademischen Vorgänger
William Hogarth: als Maler einer der großen Namen britischer
Kunst; als Zeichner und Radierer geschätzt, doch selten; als
Stecher aus der Mode und folglich in befriedigenden Blättern so
schwer zu finden wie eine Gattung Hunde, die nicht mehr ge
zogen wird. Um Zeichnungen von Hogarth, Reynolds und
Lawrence zu sehen, muß der Studierende ins British Museum
wandern, dem es gesetzlich verwehrt isf, in ein anderes Land
zu leihen.
Die Periode von ungefähr 1730—1760, deren typischer
Künstler Hogarth ist und zu der unter den hier vertretenen Zeich
nern nur noch sein Schwiegervater Thornhill gehört, ist die
früheste, von der man sagen kann, daß sich in ihr die britische
Kunst, bisher langsam und rückständig im Wachstum, von fremden
Einflüssen befreite. Die großen Porträtmaler im England der zwei
vorausgehenden Jahrhunderte, Holbein, Van Dyk, Lely, Kneller,
waren Ausländer gewesen, die berühmtesten dekorativen Maler