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Verrio und Laguerre. Nur in der Miniaturmalerei hatten im
17. Jahrhundert Engländer beträchtliche Erfolge errungen. Der
hervorragendste englische Stecher, Faithorne, in der Schule
Nanteuils erzogen, hatte dessen Stil nach England gebracht. Sogar
in Zeiten, die wenig hinter Hogarth zurücklagen, bewirkten solche
Ereignisse wie die Aufhebung des Edikts von Nantes (1685) und
die Thronbesteigung eines holländischen und dann eines
deutschen Königs (Wilhelm III. 1689, Georg I. 1714), daß viele
Fremde, darunter viele Künstler, nach England wanderten, ent
weder als Flüchtlinge oder als Gefolgsleute im Troß der neuen
Herrscher, von denen oder von deren Hofleuten sie Förderung
erhofften, ln der Georgischen Ära, besonders während der langen
Herrschaft Georg III. (1760—1820), während welcher ein großer
Teil der hier ausgestellten Zeichnungen geschaffen wurde, nahmen
heimische Maler und Zeichner schnell an Geschicklichkeit und
Wohlstand zu, nicht so sehr unter Förderung des Hofes, der seine
Gunst über Gainsborough und Reynolds hinaus nur auf wenige
ausdehnte, als der Aristokratie, der Gutsbesitzer und der „Neuen
Reichen" des Handels. In einer Periode von Wohlstand, Ruhe und
geordnetem Leben, das nur zwischen Stadt und Land geteilt und
in den letzten Jahren dieser Regierung durch die Kriege mit Frank
reich vielfach vom Kontinent abgeschnitten war, gab es reichliche
Beschäftigung für den Porträtisten und den Vedutenmaler. Dieser
bekam Aufträge, die Landhäuser und Parks zu malen, die noch
immer die meist charakteristischen Denkmäler jenes Zeitalters sind.
Gleichzeitig boten die British Institution und die kürzlich ge
gründete Royal Academy bisher fehlende Ausstellungsmöglich
keiten und steigerten noch das Interesse für Porträt, Landschaft
und die sogenannte Historienmalerei.
Diese Zeit sah die Geburt der heimischen Aquarellmalerei,
zu deren frühesten Exponenten die hier vertretenen Pars und
Sandby gehören, während Alexander und John Robert Cozens,
Vater und Sohn, durch ihre monochromen Kompositionen und
ihre Schweizer oder italienischen Landschaften, wiedergegeben in
einer ruhigen Harmonie weniger Tinten, blau, grün und grau, mit
großer Feinfühligkeit für atmosphärische Wirkungen, den
reicheren, aber noch immer kühlen farbigen Blättern Girtins den
Weg bereiteten. Vorzeitig, 1802, im jugendlichen Alter von
27 Jahren gestorben, nimmt Girtin eine Zwischenstellung ein
zwischen einem solchen englischen Schüler Claude Lorrains wie