6
Kunst ihrer Zeit. Sie vereinigten gewissenhafte Naturireue, worin
Hoiman Hunt länger als die anderen verharrte, mit einer Vorliebe
für Themen aus Dichtkunst und Legende. Das führte sie dahin, die
wörtliche Beobachtung und Nachahmung der Naturerscheinungen
gegen eine romantische Wiedererweckung des Mittelalters zu ver
lassen. Burne-Jones und Morris, „Präraffaeliten" einer zweiten
Generation und nicht Mitglieder der ursprünglichen Bruderschaft,
gingen darin noch weiter, während Miilais seine ursprünglichen
Grundsätze aufgab und ein Maler populärer Gegenstände, von
Porträts und Landschaften und auch Präsident der Royal Academy
wurde. Eine der Nebenbeschäftigungen dieser Künsflergruppe war
das Zeichnen von Illustrationen, bestimmt, für Bücher und Zeit
schriften in Holz geschnitten zu werden, eine Kunsf, die in der als
„Sechziger" (Jahre) bekannten Periode zu einem hohen Grad der
Vollendung erhoben wurde, tatsächlich aber von ungefähr 1855
bis 1875 lebendig war. Die wichtigsten Holzschneider dieser Zeich
nungen der Präraffaeliten und anderer waren die Brüder Dalziel,
von denen eine Gruppe schöner Abdrucke ausgestellt ist. Viel
leicht noch mehr als die Originalzeichnungen der Präraffaeliten
beeinflußten diese Illustrationen die frühe Kunst von Charles
Ricketfs, der vor 30 oder 40 Jahren zusammen mit seinem treuen
Freund Charles Shamon der führende Geist einer andern Gruppe
romantischer Maier, Zeichner und Stecher war, der in der „Sonnen
uhr" („The Dial") und der Vale-Presse vereinigten Künstler.
Von anderen Richtungen und Bewegungen der englischen
Kunst im 19. Jahrhundert, zu zahlreich, um besprochen zu werden,
findet man Beispiele unter den ausgestellten Werken. Man glaube
nicht, daß die Kunst auf London beschränkt war. Höchst beachtens
wert war unter den Provinzschulen in der ersten Hälfte des Jahr
hunderts die von Ost-England, mit Norwich als ihrem Mittelpunkt,
Crome und Cotman, zugleich Radierer und Maler, als führenden
Männern. Constable (1776—1837) und Bonington (1801—1828)
waren wohl die einzigen Künstler ihrer Zeit, deren Werk man
jenseits des Kanals kannte und die einen wirklichen Einfluß auf
die Landschaftsmalerei in Frankreich ausübten. Unter .den späteren
Aquarellisten ragen de Win} (1784—1849) und Cox (1783—1859)
hervor, obgleich beide vom Genius ihres Zeitgenossen Turner
(1775—1851) überschattet werden.
Charles Keene (1823—1891) muß unter den Schwarz-Weiß-
Künstlern wegen seiner meisterlichen Handhabung der Feder ge-