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Full text: Ludwig Lobmeyr - schöner als Bergkristall

diesen und nur diesen Platz gewählt und als er zum Verkaufe 
kam, ein Angebot dafür, allerdings das höchste, was bis da 
mals für einen Stadterweiterungsgrund vorgekommen war, 
eingereicht tmel das [auch] Annahme fand. Früher hatte, wor 
auf ich noch zurückkommen werde, Professor von Siccards- 
burg uns für das Geschäft Entwürfe geliefert; nun machte er 
mit Professor Van der Nüll, seinem Compagnon für alle größe 
ren Arbeiten, die Pläne für unseren Hausbau, welche uns auch 
ungemein entsprachen. Josef’s Leiden hatte aber bereits sich 
bedenklich verschlimmert, ich erwog [daher:]seit Jahren nach 
Ems gehen, dann auf einem Neubau Nachschau halten sei 
eine Thorheit, Alles und Alles nur dem Architekten überlassen 
und vor ein paar [, zwei] Jahren überhaupt nicht das Haus be 
treten, nahezu undurchführbar - also vernünftig sein und 
überhaupt auf das Ganze verzichten! Ich konnte den Bruder 
wohl nicht gleich, aber [schließlich] doch zur Zustimmung be 
wegen, er traf noch einmal mit Van der Nüll zusammen, der 
eine etwas harte Bemerkung über unsere Muthlosigkeit 
machte, womit er dem Bruder [recht] wehe that, welche mich 
aber nicht wankend machto [zum Wanken brachte]. Bald 
stellte sich der Vermittler eines Käufers ein, mit dem zu unter 
handeln mir geradezu Spaß machte. Ich sagte: wir beabsichti 
gen, zu verkaufen, weil wir eef aus Gesundheitsrücksichten 
lieber nicht bauen wollen; wir haben den Platz nicht gekauft, 
um damit zu spekuliren, verlangen keinen Gewinn, aber wir 
verkaufen auch gewiß nicht, wenn wir dadurch einen Verlust 
erleiden sollten; also voller Platzpreis sammt Zinsen seit unse 
rer Bezahlung desselben, ganze [volle] Vergütung der Kosten 
der vorliegenden Pläne und aller Gebühren, Spesen u. s. w,, 
welche wir bereits geleistet haben. Jener machte geringeren 
Gegenantrag, die Pläne seien seinem Käufer werthlos, da er 
Romano u. Schwendenwein den Bau übertragen werde, u. 
A. m. Ich gab ihm vöilig Recht, so daß er schon hoffte [meinte], 
ich werde [nun] seinem Anträge entgegenkommen, dann 
schloß ich aber mit der Versicherung, auch nicht um einen 
Deut von meiner Forderung abzugehen, welche sich selbst 
verständlich um die täglichen Zinsen erhöht. Der Unterhändler 
sagte erregt, solch starres Verfahren sei ihm noch nie vorge 
kommen, er könne das nicht verstehen; ich zuckte die Ach 
seln, er rannte ärgerlich davon. Am andern Tag [aber] ward Al 
les zugestanden, ich einer Plage ledig und als der Bruder ge 
storben war dachte ich recht oft, es sei gar klug gewesen, für 
mich wäre der Bau ein geradezu tolles Wagnis geworden. 
Unsere stetig schwankende Gesundheit hatte beim Bruder 
und mir überhaupt die Thatkraft sehr unterbunden. Wir spra 
chen wohl darüber, daß es eigentlich zweckmäßig wäre, wenn 
wir in Böhmen eine eigene Fabrik errichteten, sie mit ahen 
technischen Vervollkommnungen, welche die Ausländer be 
reits erprobt haben, ausstatteten, also so zu sagen eine Mu 
sterfabrik schaffen würden, welche wir, wenn auch einige Zeit 
mit Opfern, doch ganz unabhängig betreiben könnten. Josef 
namentlich hätte es gerne gehabt, daß wir auf technischem 
Gebiete Fortschritte erzielen, mindestens anbahnen sollen, da 
ihm schien, daß unsere heimischen Fabrikanten für Neuerun 
gen nicht sehr zugänglich waren. Freudig hätte ich mitgethan, 
aber die Last solcher Arbeit auf mich zu nehmen, durfte ich 
wirklich nicht wagen und der Bruder ebenfalls nicht; all das 
blieben [sonach] nur Träumereien! 
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550 Verleihung des Hoftitels an Ludwig Lobmeyr, 3. August 1864 
550 Award of the cou rt title to Ludwig Lobmeyr, 3rd August 1864 
So war es eigentlich auch nur der Mangel an Selbstvertrauen, 
daß wir beide nicht dazu kamen, einen eigenen Herd zu grün 
den. - Der Bruder faßte wiederholt selbst lebhafte Neigung zu 
gewiß trefflichen Mädchen, er härmte sich nahoze [sogar] 
darüber ab, aber schließlich kam es doch nicht zum entschei 
denden Schritt - ich glaube, es war auch besser so! 
Kaum anders erging es mir; vielleicht stimmt [paßt] es später 
besser [paßt es besser später], darüber mehr zu sagen. 
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