Raffinerie in Blottendorf bei Haida
Bereits zu Lebzeiten des Vaters errichteten wir in Blottendorf
bei Haida in Böhmen, also in dem schon seit zwei Jahrhunder
ten bekannten Glasgebiete, eine sogenannte Raffinnerie. Wir
nahmen einen Verwalter auf, mietheten Magazinsräume zur
Einlagerung unserer sogenannten Rohwaaren [d, h. der Waa-
ren wie sie vom Glasbläser allein hergestellt werden, und]
welche nach Bedarf an die Schleifer, Graveure, Vergolder und
Maler der dortigen Umgebung, die nahezu ausnahmslos nur
Hausarbeiter waren, ihr eigenes Häuschen mit Garten, allen
falls auch ein Stück Feld hatten, vertheilt und, wenn fertig, wie
der an unseren Vertreter abgeliefert wurden. Wenn ich das
eine oder andere Jahr die böhmischen Glasfabriken besuchte,
fuhr ich meist auch noch nach Blottendorf, um dort Nachschau
zu halten.
Kriegsjahr 1866
Sonst blieb es regelmäßig bei meiner Kur in Ems und einer Er
gänzungsreise in die Schweiz. Da kam aber das für uns so un
glückliche Kriegsjahr 1866, dessen Verlauf und Ende wohl so
bekannt ist, daß ich nicht näher darauf einzugehen brauche. In
fiy« meinem Landhause in Währing war nur [mehr] eine Jah
respartei, ein Engländer mit Frau und Tochter. Er war ein be
scheidener Beamter der Gasgesellschaft, welche gleich bei
der nahen Nussdorfer Linie ihre Werke besaß. Einige Zeit war
der [mein] Bruder [Franz], welcher bereits aus Gesundheits
rücksichten in den Ruhestand getreten war, mit seiner Familie
in der geräumigen Parterrewohnung des Haupttraktes, ich al
lein mit meinem Diener hatte im I. Stocke unsere frühere Woh
nung, eilf Zimmer, eine geschlossene Terrasse, und eine of
fene Veranda inne, was allerdings keineswegs mehr gemüth-
lich war. Dann bekam ich eine immer zahlreicher werdende
Einquartierung sächsischer Soldaten, welche für sich selber
kochten, auch ein paar Verwundete, welche ich gerne thun-
lichst pflegen ließ, da die guten Leute alle so artig und be
scheiden waren, auch sich so ruhig verhielten, daß man für sie
alles Mitgefühl haben mußte. Zeitweise rückte die Fahnen
kompagnie in den Garten ein, dann wieder wohnten bei fünf
Offiziere und ihre Burschen da, im Stall standen ihre Pferde
und doch nahm man alles derlei gerne in den Kauf, wünschte
nur, daß es nicht bis zur Demüthigung kommen werde, die al
lenfalls einrückenden Preußen einquartieren zu müssen. Die
sich fortsetzenden Nachrichten von Niederlagen brachten
eine ganz maßlose Entmuthigung und wenn auch Tegethoff’s
herrlicher Sieg bei Lissa einen allgemeinen Jubelschrei aus-
proßto [hervorrief], die bösen Nachrichten aus nächster Nähe
waren so bedrückend, daß man mit Angst und Sorge dem wei
teren Verlaufe entgegensah, die Kleinmüthigsten schon vom
Zerfall des Reiches sprachen - nun, zur Zet[Zwei]theilung
ist’s dann auch bald gekommen.
€s [Endlich] ward Friede geschlossen, - nach und nach stellte
sich wieder besonnenere Erwägung ein, man erkannte, daß
wir nun erst recht die nächstjährige Weltausstellung be
schicken und gut beschicken müssen, damit man nicht an der
Lebenskraft des Reiches zweifle. Die Arbeiten wurden also
umso nachhaltiger fortgesetzt.
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