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Full text: Ludwig Lobmeyr - schöner als Bergkristall

des jeweiligen Schnitts entsprechen müssen.Wichtige Details wie die 
Gestaltung des Bodens wurden nach unten aufgeklappt wiedergege 
ben (Abb, 78, S. 41) oder unter dem Mundrand eingezeichnet 
(Abb. 115, S. 52). Gefäßbestandteile wie Stöpsel kommen auch in 
Form eigener Papierschnitte (Abb. 121-123, S. 54) vor. Aufsätze von 
beachtlicher Größe (von einem halben Meter Höhe und mehr) sind 
als vielfach zusammengefaltete Schnitte erhalten (S. 95). 
Aus der nahezu unüberschaubaren Fülle von Schnitten für Flakons 
und Blumenvasen wurden charakteristische Beispiele herausgegrif 
fen und ausgeführten Gläsern gegenübergestellt (S. 56 - 71). Unzäh 
lige Varianten gab es vom Typus der Blumenvasen „böhmisches Mu 
ster“ mit Blatt- oder Blütenkranzmotiven des Mundrandes, gerade ge 
formt oder umgelegt (S. 62-69). Eine eigene Kategorie bilden die sehr 
kleinen Blumenvasen, die hier in einer Formauswahl wiedergegeben 
werden (Abb. 181-192, S. 70,71). 
Aufschlu ßreich sind die Darstellungen von Gläsern auf einer der älte 
sten erhaltenen Geschäftskarten von Josef Lobmeyr sen. (Abb. 344, 
S. 141), da die meisten davon anhand von Schnitten identifiziert wer 
den können: so vor allem ein Flakon (S. 144, 145), der Aufsatz aus 
dem Dessertservice „N“ (S. 98,99), eine Zuckerdose in Melonenform 
(S. 141) und Teile eines Trinkservices mit „Schäleckenschliff“ (vertikal 
geschliffene Gläser von polygonalem Querschnitt, Abb. 195, S. 73). 
Die Formtypen dieses Services finden wir sehr ähnlich im späteren 
Trinkservice Nr. 16 (Abb. 194, S. 72) und in den Gläsern eines Ge 
würzaufsatzes auf Rädern, getragen von einem Elefanten aus Silber, 
bekrönt von einem Chinesenfigürchen (Abb. 196, S. 73). 
Eine Auswahl von Papierschnitten für Trink-, Likör- und Dessertser 
vice, Pokale und Becher lassen die Vielfalt der Formvarianten der 
Biedermeierzeit erahnen: bei den Likörservicen kehrt die Kurzbe 
zeichnung der Glashütte (JRT = wohl Ignaz Rückl, Tassitz, Abb. 197- 
202, S. 74, 75) immer wieder, während wir für Rauch- und Gasscha- 
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110 Wasserkrug, Graf Buquoy, Gratzen, vor 1818; farbloses Glas mit Schliff, 
Höhe 17 cm. - Technisches Museum Wien, Inv. Nr. TH 12038 
110 Water jug, Count Buquoy, Gratzen, betöre 1818; colorless glass with 
cutting, height: 17 cm. - Technical Museum Vienna, inv. no. TH 12038 
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111 Wasserkrug, Graf Buquoy, Georgenthal bei Gratzen, vor 1837; farblo 
ses Glas mit Schliff, Höhe 23.7 cm. - Technisches Museum Wien, Inv. Nr. 
TH 12068 (TM 22100) 
111 Water jug, Count Buquoy, Georgenthal near Gratzen, betöre 1837; 
colorless glass with cutting, height: 23.7 cm. - Technical Museum Vienna, inv. 
no. TH 12068 (TM 22100) 
len ein KEK bzw. AKET (wohl „Kittls Erben“) häufig finden (Abb. 8-10, 
S. 15). Zahlreiche frühe Trinkservice werden in einer prägnanten 
Auswahl von Formtypen wiedergegeben (S. 158,162,163,166,167, 
172- 174). Eine Zusammenstellung der Glashütten jener Zeit wurde 
ebenso versucht wie ein Glossar der häufigsten auf den Schnitten 
verzeichneten, nicht immer leicht zu deutenden Fachausdrücken und 
Abkürzungen (s. S. 401-403). 
Eine besonders große Gruppe stellt jene der Becher dar; sie wurden 
in eigenen Umschlägen für Becher mit Fuß (S. 177, 179, 188, 189, 
197) und ohne Fuß (S. 196, 197) zusammengefaßt. Deckelbecher 
(S. 164) und Becher mit „vezetianisch gesponnenen Streifen“ 
(S. 165) fallen besonders auf. Dem Spätbiedermeier scheinen noch 
jene Formen aus den 1850er und 1860er Jahren verpflichtet (S. 196, 
197, 218, 219), die uns manchmal an Gestaltungen der Glashütte 
von Joseph Zieh erinnern (Busson 1991, S. 152-175). 
Immer wieder wurden auch sogenannte „französische Muster“ ver 
wendet: die seltenen, farbig ausgeführten Schnitte für Becher und 
Vasen mit geschliffenem Überfang (S, 17, 118, 119) und Vasen mit 
floralen und geometrischen Dekoren (S. 184-187, 232); auch 
Preßglas-Formen sind wohl auf französische Vorbilder zurückzu 
führen (Abb. 286-289, S. 116, Abb. 304, 305, S. 120). 
Eine eigene Gruppe bilden die Vasen von „Steigerwald in München“ 
um die Mitte des 19. Jahrhunderts (S. 152); die sogenannten „eige 
nen Muster“ mochten wohl ebenfalls zumindest teilweise fremde An 
regungen verarbeitet haben (Abb. 467, S. 180; Abb. 567-572, S. 234; 
Abb. 574-577, S. 235). Manchmal dienten Objekte aus Museen als 
Vorlage, wie eine Reihe von Gläsern aus dem Österreichischen Mu 
seum für Kunst und Industrie (heute Österreichisches Museum für 
angewandte Kunst, Abb. 573, S. 235). Besonders hervorzuheben 
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