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Full text: Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs - erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon

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Gegenwärtig sind in der Nadelfabrik zu Hainburg 75 Frauen und Mädchen beschäf 
tigt, welche sich — auf 100 umgerechnet — auf die verschiedenen Hauptarbeiten, wie 
folgt, vertheilen: 
Nähnadel-Fabrikation. Bei dem Stechen 15, Einfädeln 10, Beheulegen 5, 
Sortiren 8, Suchen 10, Einpacken 10, Verpacken 8 Percent. 
Stricknadel-Fabrikation. Bei dem Suchen und Einpacken 4 Percent. 
Haarnadel - Fabrikation. Bei dem Lackiren 2, Büscheln und Verpacken 8 
Percent. 
Stecknadel-Fabrikation. Bei dem Anköpfen 13, Stecken 7 Percent. 
Die in Wien bestehenden Nadler-Gewerbe, welche Stecknadeln, Haarnadeln &c. 
erzeugen, werden durch die Concurrenz der grossen Nadelfabriken des In- und Auslandes 
stets mehr und mehr in ihrem Betriebe eingeengt, so dass sich die Zahl ihrer Arbeiter 
überhaupt und auch der Arbeiterinnen (im Jahre 1869 waren noch circa 50 Frauen und 
Mädchen beschäftigt) nunmehr auf eine sehr geringe Ziffer beschränkt. 
Fabrikation von plattirten Waaren. 
In diesem Industriezweige werden Frauenspersonen ausschliessend nur zum P o 1 i r e n 
verwendet. Das Poliren ist bestimmt, den Gegenständen die letzte Ausfertigung zu geben, 
und zwar durch Glänzen mittelst Stahl und Blutstein auf jenen Flächen, die hell und 
glatt werden sollen. Dieser Zweck wird durch vorgängiges Bestreichen mit Seifenwasser 
und längeres Reiben mit dem oberwähnten Werkzeuge erzielt. 
Die Arbeit lässt sich in einigen Wochen aneignen, und es bedarf nur einer Auf 
merksamkeit auf den vor sich habenden Gegenstand und geübter Führung des Stahles 
mit der Hand, um es zur Fertigkeit zu bringen. Die Arbeit geschieht sitzend, und es 
sind hierbei Augen und Brust, erstere durch das stets Blendende des Silbers und letztere 
durch die Beugung des Oberkörpers, die meist angestrengten Körpertheile. 
Die jüngsten der Beschäftigten zählen 14 Jahre, es kommen jedoch auch Arbei 
terinnen mit 60 Jahren vor. Selbst nach der Verheirathung üben manche diesen Industrie 
zweig als Nebenverdienst aus, während sie der Erziehung und Pflege der Kinder und ihren 
sonstigen häuslichen Verpflichtungen obliegen. 
Der Verdienst der Arbeiterinnen, deren Zahl übrigens in Wien im Ganzen nicht 
gross ist, beträgt per Woche je nach Fleiss 2 bis 8 fl., der durchschnittliche 4 bis 5 fl. 
bei zehnstündiger Arbeitszeit. 
Fabrikation von Kupfer-, Messing--, Tombak- und 
Packfong-Blechen und Drähten. 
ln diesem Industriezweige werden weibliche Arbeitskräfte nur zu wenigen Arbeiten 
und in geringer Zahl verwendet; die Mehrzahl der Metallfabriken Nieder-Oesterreichs be 
schäftigt gar keine Arbeiterinnen. 
Die den Frauenspersonen zugetheilten Arbeiten sind: 
1. Das Formen. 
Die Metallplatton werden behufs des Walzens in Sand gegossen. Diese Platten sind 
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