MAK

Full text: Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs - erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon

118 
Hievon entfallen auf das Sortiren des Bruchglases 20, Pulverisiren der diversen 
Bohmaterialien 30, Reinigen des Glases 10, Poliren des Goldes und Nebenarbeiten 10, 
Einbinden 30 Percent. 
Eine besondere Besprechung erfordert die auf die Erzeugung von 
Lustersteinen und Glasschmuck gerichtete Baffinirung des Glases. 
Erzeugung von Lustersteinen und Glasschmuck. 
Dieser Zweig der Glasindustrie, hauptsächlich in den Bezirken Gablonz 
und Tannwald in Böhmen betrieben, beschäftigt sehr viele weibliche Arbeits 
kräfte. Sie werden zwar nicht bei der Erzeugung des Bohglases (Glasstäbe &c.), wohl 
aber bei der Baffinirung desselben verwendet. Letztere umfasst zwei von einander ganz 
verschiedene Kategorien von Arbeiten, nämlich die Glasschleiferei und die Perlblaserei 
(Anfertigung gewickelter Perlen). 
a) Glasschleiferei. 
Die hier vorkommenden Arbeiten sind: das Schärfen, Schneiden und Poliren von 
Prismen, Wachteln, Pendeloquen und dergleichen Gegenständen von Glas. Diese Manipu 
lationen erfolgen in Schleifereien, die mittelst Wasserkraft betrieben werden. 
Die Schleifwerke enthalten sogenannte Badstühle, die aus einem Kantner beste 
hen, auf dessen beiden Enden viereckige Kasten angebracht sind. In diesen Kasten sind 
eiserne Scheiben zum Schärfen angebracht, welche in wagrechter Stellung sind; ferner 
Schleifsteine zum Schneiden und Scheiben aus Pappelholz zum Poliren. Die Scheiben 
sind mittelst Biemen mit dem sogenannten Vorgelege verbunden; letzteres besteht aus 
Holzscheiben, welche stufenförmig gedreht sind, damit nach Bedarf der Schnelligkeit der 
Umdrehung der Scheiben der Biemen gestellt wird. Das Gestelle befindet sich in der Mitte 
des Badstuhles an dem Kantner und ist durch einen Gurt'mit der Biemenscheibe der Trans 
mission verbunden. 
Die Schärfer sind diejenigen Arbeiter (Arbeiterinnen), welche das Bohglas mit 
Sand bearbeiten, das heisst: auf der eisernen Scheibe des Kastens. Auf diesen Kasten 
wird ein Fass gestellt, in dem feingesiebter, weicher Sand mit Wasser angemacht ist. 
Der nasse Sand wird mit der einen Hand auf die Scheibe aufgetragen, während mit der 
anderen Hand der zu schleifende Gegenstand auf die Scheibe gehalten wird, und zwar so 
lange, bis der Gegenstand derart geformt ist, dass er der gänzlichen Ausfertigung ent 
gegengeführt werden kann. 
Ist das Schärfen vorbei, so ist der Gegenstand rauh und matt; er geht nunmehr an 
den andern Kasten über, in welchem sich der Schleifstein befindet. Auf dem Kasten 
über dem Steine ist ebenfalls ein Gefäss mit Wasser, das, durch ein Bohr abfliessend, tropfen 
weise den Stein benetzt. Auf diesen Stein wird nun der vom Sand geschliffene Gegenstand 
gehalten und wird dadurch feiner und glätter. 
Von da geht der Gegenstand auf die Holz- oder Polirscheibe. Diese Scheibe, 
welche wagrecht im Kasten angebracht und abgedreht ist, wird mit im Wasser aufgelös 
tem Trippei bestrichen; sodann wird der Gegenstand auf die Scheibe gehalten, welche 
eine schnelle Umdrehung hat, wodurch der Gegenstand eine ziemliche Hitze erhält, so dass 
Glastheilchen an der Oberfläche nahezu zum Schmelzen kommen, wodurch der Glanz oder 
Spiegel erzielt wird.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.