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Full text : Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs - erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon

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fluss  dieser  Massa,  wenn  die  Perlen  verspiegelt  sind,  wird,  solange  selbe  noch  heiss  sind,
wieder  herausgeblasen.  Mit  dieser  Arbeit  befassen  sich  grösstentheils  die  Ortschaften  Antoniwald,
  Maxdorf,  Marienberg  und  Pfichowitz.
Ferner  werden  Perlen  metallisirt.  Dieselben  werden  aus  durchsichtigem
Glase  oder  Composition  geblasen,  und  zwar  an  einem  Röhrchen  je  nach  der  Grösse
10  20  Stück,  welche  dann  mit  aufgelöstem  salpetersaurem  Silber  angesogen  werden  und
so  lange  liegen  bleiben,  bis  sich  das  Silber  angelegt  hat  und  die  Perlen  verspiegelt  erscheinen. ­
  Ist  das  geschehen,  so  wird  das  überflüssige  Wasser  herausgelassen  und  die
Perlen  durch  ein  sogenanntes  Feilmesser  aus  Stahl  einzeln  abgefeilt.
Ausser  diesen  Objecten  werden  auch  Birnchen  und  sonstige  verschiedene  Gegenstände
geblasen,  und  zwar  aus  freier  Hand,  oder  auch  in  Formen.  Die  Formen  werden
auf  Zangen  gebunden  und  an  dem  Arbeitstische  befestigt;  die  Zange  bringt  man  durch
eine  Schnur  mit  einem  Tritt  in  Verbindung,  wodurch  das  Oeffnen  und  Schliessen  der
Formzange  leicht  und  rasch  bewerkstelligt  wird,  was  wesentlich  ist,  weil  die  Glasmassa
schnell  erstarrt  und  sich  dann  in  der  Form  nicht  mehr  aufblasen  lässt.  Diese  Arbeiten
werden  wieder  meistens  in  Maxdorf,  Josefsthal,  Karlsberg  und  Grafendorf,  sowie  auch  in
Antoniwald  gemacht.
Manche  dieser  Artikel,  z.  B.  Früchte  oder  auch  Schmuckperlen  u.  dgl.  m.,  werden
auch  mit  kalten  Farben  oder  mit  Wachsfarben  innen  bemalt,  was  gleichfalls
Mädchen  hersteilen.
Zur  Erlernung  der  geschilderten  Arbeiten  gehört  schon  eine  ziemlich  lange  Lehrzeit;
es  müssen  Kinder  1—2  Jahre  lernen.  Bei  .vielen  reicht  diese  Zeit  nicht  hin,  weil  die
Arbeiten  zu  verschiedenartig  und  immer  neue  Techniken  erforderlich  sind,  um  Neues  und
Modernes  hervorzubringen.  Besondere  Schulbildung  und  Vorkenntnisse  sind  nicht  erforderlich, ­
  wohl  aber  Uebung  durch  fortwährendes  Arbeiten.
Die  Perlblaserei  an  sich  ist  der  Gesundheit  nicht  gerade  nachtheilig;  es  werden
Arbeiterinnen  sogar  70  bis  80  Jahre  alt.  Auch  zu  dieser  Arbeit  werden  vielfach  Kinder
verwendet.
Die  Perlblaser  gehören  durchgehends  der  einheimischen  Bevölkerung  der  dortigen
Gegenden  an.  Die  Art  und  Weise  des  Wohnens  ist  bei  den  Perlblasern  wie  bei  den  Schleifern; ­
  es  wohnen  häufig  zwei  bis  3  Familien  in  einem  Zimmer  beisammen.  Ferner  sind  in
einem  solchen  Zimmer  öfter  2—3  Blasetische,  an  jedem  4  Arbeiterinnen,  zusammen  also
12  Personen.  Es  entwickelt  sich  da  eine  Ausdünstung,  die  in  Verbindung  mit  dem  Petroleumgeruch ­
  in  sanitärer  Beziehung  sehr  ungünstig  wirken  muss.
Der  Verdienst  der  Arbeiterinnen  ist  zum  The’ile  höchst  precär.  .  Es  gibt  Arbeiten,
für  welche  man  7  bis  8  fl.  per  Woche  zahlt;  es  gibt  aber  auch  solche,  bei  denen  nur
1  fl.  bis  1  fl.  50  kr.  verdient  wird.
Nebst  den  hohlen  Perlen  werden  auch  massive  Gegenstände  über  der  Lampe
gemacht,  wie  z.  B.  Knöpfe,  Ohrringe,  Nadeln  etc.  Solche  Arbeiten  werden  gewöhnlich  für
Wochenlohn  verrichtet  und  verdient  eine  Person  nebst  Kost  1  fl.  50  kr.  bis  2  fl.  per  Woche.
Die  Zahl  der  Mädchen  und  Frauen,  welche  in  den  Bezirken  Gablonz  und
Tannwald  im  Glasgeschäfte  arbeiten,  dürfte  gegen  4000  Individuen  betragen.  Hievon  entfallen ­
  auf  die  Schleiferei  in  Schleifwerken  15,  Trempelzeugschleiferei  5,  Lampenarbeit
(Perlblasen  etc.)  60,  Anreihen  der  Perlen  an  Schnüren  5,  alle  übrigen  Arbeiten  (Aufheften ­
  von  Knöpfen  an  Cartons,  Einmalen  von  Perlen,  Emballiren  etc.)  15  Percent.
            
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