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MAK

Full text : Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs - erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon

Gruppe  X.
Kurzwaareu  -  !n<1  ustrie.

Meerschaum-Imitation.
Bei  der  Bearbeitung  der  Meerschaum-Abfälle  zur  Erzeugung  von  Meerschaummassa
entfallen  auf  das  weibliche  Geschlecht  folgende  Arbeiten:
a)  Das  Sortiren  der  Meerschaumabfälle  —  Beutern  oder  Sieben.
b)  Das  Waschen  und  Beinigen  der  Meerschaumabfälle  —  Schwemmen.
r)  Das  Durchreiben  und  Durchschlagen  auf  Seidensieben  —  Schlämmen.
Diese  Arbeiten  werden  von  Taglöhnerinnen  und  zwar  'stehend  ausgeführt.  In  Verwendung ­
  kommen  in  der  Begel  Mädchen  oder  Frauen  von  18  bis  40  Jahren,  welche  nach
längerer  Hebung  und  im  Verhältnisse  ihrer  Qualification  mit  4  bis  6  fl.  per  Woche  bezahlt ­
  werden.  Die  dabei  angestrengten  Körpertheile  sind  Arme,  Brust  und  Füsse,  und  es
werden  nur  kräftige  Frauenspersonen  und  zwar  grösstentheils  solche  dazu  abgerichtet,
welche  bei  den  Maurern  gearbeitet  haben.  Die  Mehrzahl  dieser  Arbeiterinnen  stammt
aus  Böhmen  und  Mähren.  Die  Arbeit  dauert  ununterbrochen  das  ganze  Jahr  hindurch.
Gegenwärtig  sind  bei  dieser  Beschäftigung  in  Wien  ungefähr  60  Arbeiterinnen
verwendet.
Fabrikation  von  Rauchrequisiten  aus  echtem  Meerschaum  und  aus  Meerschaum-Massa.

Die  Verwendung  des  weiblichen  Geschlechtes  bei  der  Fabrikation  von  Tabakpfeifen,
Cigarrenpfeifen  und  Cigarrenspitzen  aus  echtem  Meerschaum  und  aus  Meerschaummassa
umfasst:
1.  Das  Schachtel«.
Die  getrocknete  Pfeife  oder  Cigarrenspitze  wird  vorerst  mit  Fischhaut  oder  mit
Glaspapier,  in  neuester  Zeit  auch  mit  Feuersteinpapier  bearbeitet  (vorgeschachtelt),  um
die  sogenannte  Wasserhaut,  die  obere  Schichte,  zu  entfernen;  dann  werden  diese  Gegenstände ­
  mit  dem  scharfen  Schachtelhalm  überzogen  und  endlich  mit  dem  feinen  Schachtelhalm ­
  fein  und  fertig  gemacht.  Zum  Ausschachteln  von  Stäben,  Höhlungen,  Blättern  etc.
wird  das  sogenannte  Stockerl  benützt,  d.  i.  ein  aus  weichem  Holze  nach  Ledüifniss
zugespitzter  Stift,  auf  welchen  ein  Schachtelhalm  gesteckt  wird.
Diese  Arbeit  wird  von  Mädchen  und  Frauen  im  Alter  von  14  bis  40  Jahren  sitzend
verrichtet,  und  erfordert  gute  Augen,  eine  leichte,  geschickte  Hand  und  Aufmerksamkeit.
Die  dabei  angestrengten  Körpertheile  sind  Augen,  Brust  und  Arme.  Lehrzeit  4  Monate.
Der  Wochenlohn  beträgt  4  bis  7  fl.,  durchschnittlich  5  fl.  Doch  gibt  es  Stückarbeiterinnen, ­
  welche  sich  in  Folge  ihrer  Geschicklichkeit  8  bis  10  fl.  per  Woche  verdienen.
            
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