Gruppe II.
Landwirthsehaft, Forstwirtschaft, Wein-, Obst- und Gartenbau.
Sei clenz acht.
Die Phasen, welche die Seidengewinnnng zu durchlaufen hat, theilen sich in zwei
Hauptgruppen; die erstere umfasst die Entstehung des seidenspinnenden Schmetterlings, die
andere die Behandlung des gewonnenen Seidenfadens bis zu dem Momente, wo er, den verschiedenen
industriellen Zwecken entsprechend, in Verkehr gebracht wird.
Die erstgenannte Arbeitshälfte, die eigentliche Zucht der Seidenraupe, ist eine Beschäftigung,
die ausserordentlich viel Sorgfalt, Geduld und Liebe zur Sache fordert und
eben um dieser nothwendigen Eigenschaften willen, vorzugsweise geeignet erscheint, von
Frauen verrichtet zu werden. Einen Beleg für ihre Befähigung zu dieser Arbeit, liefern
wohl alle seidenbautreibende Länder.
Frl. Jenny Krause, die seit mehreren Jahren die Seidenraupenzucht in Steiermark
mit dem günstigsten Erfolge betreibt, gibt uns in einem Glaskasten ein in interessanter
und anschaulicher Weise zusammengestelltes Bild der Seidenraupenzucht.
In Bogengruppen aufgestelltes Gesträuch (Reisstroh oder Birkenzweige) dient den
Raupen zur Zeit der Verpuppung, um sich einzuspinnen.
Das Gespinnst bildet die sogenannten Cocons, deren etwa 400 ein Pfund wiegen
(10 Pfd. Cocons geben kaum mehr als 1 Pfd. Seide). Im Cocon liegt die gelblich braune,
kegelförmige Puppe, die sich etwa nach 14 Tagen in einen Schmetterling verwandelt, der
dann aus einem kleinen Loche ausschlüpft, nach einem Lebenslauf von wenigen Tagen,
nachdem er sich gepaart und Eier gelegt, stirbt.
Aus den Cocons, welche man für die Seidengewinnung benützen will, lässt man den
Schmetterling nicht ausschlüpfen, sondern tödtet die Puppen schon nach 10 Tagen durch
Schwefeldämpfe.
Behufs Auflösung des Leimes, der die Fäden zusammenklebt, werden die Cocons in
heisses Wasser geworfen. Die Enden mehrerer Cocons werden aufgesucht, ein wenig zusammengedreht
und aufgehaspelt. Eine andere Person peitscht die schwimmenden Cocons
mit einem Reiswische und sondert die sich daran hängenden krausen Fäden ab.
Der durch das Abhaspeln gewonnene Faden, wozu sich jedoch nur ein Theil des
Gespinnstes eignet, kommt als Rohseide in den Handel. Nur für Stoffe leichtester Gattung
verwendbar, müssen jedoch, um den Anforderungen der Industrie ganz zu entsprechen
zwei oder mehrere Fäden zusammengezwirnt werden. Nach der Stärke der hiezu erforder
liehen Drehung unterscheidet man Tramseide (Einschlag) und Organzinseide (Kette). Die
äusserste wie die innerste Hülle der Cocons sind Abfälle und als solche wohl verwendbar