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Full text: Die Verwendung weiblicher Arbeitskräfte in der Fabriks-Industrie und in einzelnen Zweigen des Verkehrswesens Österreichs - erläuternder Text zu einer Abtheilung der Ausstellung im Frauen-Pavillon

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Die einfachen Arbeiten des Waschens, Bleichens und Leimens setzen keine specielle Erler 
nung voraus. 
Die Mehrzahl der Strohhutarbeiterinnen steht im Alter von beiläufig 20 Jahren; 
das niedrigste Alter ist 14 Jahre, das höchste, selten vorkommende 50 bis 60 Jahre. Die 
Arbeiterinnen, meistentheils der Umgebung des betreffenden Fabriks - Etablissements ent 
nommen, stammen aus den mittleren und unteren Volksclassen; vorwiegend gehören sie 
besser situirten Schichten an. 
Die Strohhutarbeiterinnen sind nicht das ganze Jahr hindurch, sondern blos saison 
weise vom November bis zum Juli beschäftigt; theils findet das Arbeiten in der Fabrik, 
theils bei Hause statt, theils gegen Tag- oder Wochenlohn, theils gegen Stücklohn. Die 
Arbeitszeit währt, mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, an welchen selten gearbeitet 
wird, in den Fabriken von 8 Uhr Morgens bis 7 Uhr Abends; Mittags ist eine Unter 
brechung von einer Stunde und zur Vesperzeit eine halbstündige Pause. 
In Wien werden von den Strohhutfabrikanten und Appreteuren in und ausser Hause 
ungefähr 1000 Arbeiterinnen (nebst 150 Arbeitern) beschäftigt. 
Hievon kommen auf das Nähen 65, Waschen, Bleichen und Leimen 5, Adjustiren 15, 
Aufputzen 15 Percent. 
Strohflechterei. 
Das Strohflechten ist ein, am Fusse des Erzgebirges, in den Ortschaften Teilnitz, 
Müglitz, Mückenberg, Niclasberg, Obergraupen, Voitsdorf, Zinndorf ziemlich schwunghaft 
betriebener, im Hause gepflegter Industriezweig, in welchem ausschliesslich Kinder und 
Frauen verwendet werden. 
Aus Sachsen herüber gekommen, hat die Industrie auch heute noch den Scliwer- 
punct ihres Betriebes (Appretur und kaufmännischen Betrieb) in Sachsen. 
Der in Umrissen angedeutete Bezirk, von der Natur stiefmütterlich bedacht, von 
rauhem Klima und geringer Ackerkrumme, bringt zwei der Ausbildung dieses Halb 
fabrikates günstige Bedingungen: zahlreiche und bildsame Arbeitskräfte und einen für 
diesen Zweck vollkommen geeigneten Rohstoff. 
Die Zahl der mit Herstellung derartiger Geflechte beschäftigten Kinder und Frauen 
dürfte auf etwa 1000 zu veranschlagen sein mit einem wöchentlichen Verdienste von 
35 Kreuzern bis zu fl. 2-40; in allerdings vereinzelten Fällen erreicht der Tagesverdienst 
der Flechterin die Höhe von 70 Kreuzern. 
Der Werth des heute verarbeiteten Rohmateriales wird auf ca fl. 9000 veranschlagt, 
die durch die Herstellung des Halbfabrikates erzielte Werthsteigerung dürfte etwa das 
Siebenfache des Rohstoffwerthes betragen. 
Zum Geflecht wird Stroh von reif gewordenem Weizen verwendet. Von den Halmen 
wird gewöhnlich nur der mittlere und oberste Th eil herausgeschnitten und zur Verarbeitung 
benützt. Der mittlere Theil des Halmes gibt das grobe, der obere das mittlere und feine 
Geflecht. Ehevor man aber zum Flechten gelangt, muss das Stroh noch auf mancherlei 
Weise zubereitet werden. Zuerst wird es geschwefelt, um ihm eine gleichmässig gelbe 
Farbe zu geben. Dann wird es getheilt (gerissen). Diess geschieht mit einem eisernen 
Werkzeuge, das ungefähr einen halben Zoll breit an einem Ende in scharfe Zähne aus 
läuft. Je näher dieselben aneinanderstehen, in desto schmälere Theile wird das Stroh 
getheilt. Der Reisser, wie dieses Werkzeug heisst, hat 10 bis 18 Zähne. Der geschwefelte,
	        
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