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mit 1 Stunde Mittagsruhe. Allgemein üblich ist eine viertelstündige Unterbrechung zur
Jausenzeit.
Die Arbeiten werden in der Kegel an den Betriebsstätten gemeinsam vorgenommen;
nur in Fällen dringenden Bedarfes wird zu Extra-Arbeiten Zuflucht genommen, welche die
Arbeiterinnen bei sich zu Hause in Ueberstunden als Nebenverdienst besorgen.
In Wien und Umgebung sind in 800 besteuerten Gewerben dieses Zweiges (unge
rechnet die nicht gewerbsmässig, für den Familienbedarf arbeitenden Personen) bei 3200
weibliche Hilfskräfte und Lehrmädchen beschäftigt; davon sind Lehrmädchen 40, Hand
arbeiterinnen 30, Tischmademoiselles 20, Stückarbeiterinnen 5, Montirerinnen 5 Percent.
Handschuhfabrikation.
Obwohl in diesem Industriezweige die Maschine gegenwärtig eine sehr grosse Rolle
spielt, ist für denselben die Bedeutung der Frauenarbeit doch hervortretend geblieben, und
es lässt sich erwarten, dass selbst die allgemeine Einführung der amerikanischen Näh
maschine den Erwerb der Frauen und Mädchen in der Handschuhindustrie nicht schmälern
werde. Die volle Hälfte der Arbeit des Handschuherzeugens fällt der Frauenhand zu und
die Menge der in dieser Fabrikation beschäftigten Mädchen und Frauen ist jetzt gegen
früher weit grösser, da sich unsere Handschuhfabrikation während der letzten zwanzig Jahre
sowohl in Betreff der Qualität der Leistungen als auch hinsichtlich der Productionsmenge
ausserordentlich entwickelt und zu einem exportfähigen Industriezweige gestaltet hat.
Bedeutend ist die Zahl in Wien und Prag der mit dem Nähen der Handschuhe beschäftigten
weiblichen Arbeitskräfte; sie bildet aber nur einen Bruchtheil der in diesem Industriezweige
verwendeten Arbeiterinnen, deren eine sehr grosse Zahl auf dem flachen Lande Nieder-Oester-
reichs, ferner in Böhmen, Mähren und Schlesien namentlich für Rechnung von Wiener
und Prager Fabriken Beschäftigung findet.
Bei allen Arbeitsverrichtungen, welche dem weiblichen Geschlechte in der Handschuh
fabrikation obliegen, handelt es sich stets um Nadelarbeit Die betreffenden Arbeiten sind
folgende:
1. Das eigentliche Nähen des Handschuhs; es wird nicht mehr mittelst
Handnaht, wie sie bis in die Dreissiger-Jahre üblich war, sondern auf der Handschuhnäh
maschine vorgenommen. Letztere Maschine, auch Kamm genannt, ist aber nicht mit der
seit einigen Jahren erfundenen selbstthätigen Handschuh-Nähmaschine nach amerikanischem
Principe zu verwechseln; es ist vielmehr die alte, früher schon gebrauchte Maschine ge
meint, die man eigentlich keine Nähmaschine im jetzigen Sinne des Wortes nennen kann.
Sie ist als ein Regulator zu bezeichnen, welcher nur eine gleichere Naht, die gleich weite
Entfernung eines Stiches vom andern bezweckt, indem durch zwei Metallplatteu, in die
aufeinanderpassend eine Reihe feiner Zähne eingesclmitten ist, die Nadel hindurchgeführt
werden muss. Die Sache sieht sich sehr einfach an, und dennoch erfordert es längere Zeit,
bis die Arbeiterin imStande ist, bei jedem Stiche den Faden gleich stark an den Zahn anzuziehen.
Der geschnittene Handschuh wird so aus den vorliegenden kleineren Theilen zusam
mengenäht; in gleicher Weise fertigt man auch die Einfassung, das Knopfloch und die
auf der oberen Handfläche befindlichen drei Nähte an.
Der weitaus grösste Theil der Handschuhe wird auf die bezeichuete Art genäht, so
dass dieser Theil der Fabrikation auch die überwiegende Menge (80 pCt.) der Ar-