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Die Anzahl der in der Bettwaaren-Fabrikation Wiens verwendeten, inner- und ausser
halb der Fabriken beschäftigten Frauen und Mädchen beläuft sich mindestens auf 300; es
entfallen auf das Staffiren 20, Nähen von Matratzen und Polstern 30, Nähen von Bett
wäsche 50 Percent.
Cravatenfabrikation.
Die bei der Cravaten-Fabrikation den Frauenspersonen zufallenden Arbeiten sind:
a) Das Vorzeichnen. Die Arbeiterin hat hierbei auf den Stoff, woraus die Cravate
gefertigt werden soll, die zu machende Fa^on mittelst Kreide nach einer Schablone auf
zutragen.
b) Das Zuschneiden. Der Vorzeichnung gemäss werden hierauf aus dem Stoffe
mittelst Scheere die Bestandtheile der Cravate ausgeschnitten.
c) Das Hand- und Maschinennähen, durch welche Arbeiten die Stofftheile regel
recht aneinander geheftet und die Cravaten für den Verkauf fertig gebracht werden.
<i) Ueberdies verwendet man Frauenspersonen auch zum Austheilen unfertiger
und zum U ebernehmen fertiger Arbeit, sowie zum Führen der hierbei nöthigen
Arbeitsbücher.
Bei dem Vorzeichnen und Zuschneiden ist besonders das Auge in Anspruch genommen;
hinsichtlich der Arbeiten des Hand- und Maschinennähens sind nachtheilige Einwirkungen
auf die Gesundheit, wenn nicht besonders angestrengt gearbeitet wird, nicht wahrnehmbar.
Zur Erlangung und vollständigen Aneignung der erwähnten technischen Fertigkeiten
bedürfen die Arbeiterinnen eine praktische Verwendung von 3 bis 4 Monaten; besondere
Vorkenntnisse, mit Ausnahme des Nähens, sind nicht erforderlich.
Der grösste Theil der bei der Cravaten-Fabrikation Wiens beschäftigten Arbeiterinnen,
bei denen die verschiedensten Altersstufen vertreten sind, dürfte sich im Alter zwischen 20 bis
30 Jahren befinden.
Der Wochenlohn, der von der Geschicklichkeit der Arbeiterin und nicht von der Art
der Arbeit abhängt, beträgt höchstens 7 fl., mindestens 3 fl., vorwiegend ist ein Wochen
lohn von 4 fl.
In Wien sind bei der Cravaten-Fabrikation nebst 100 männlichen Arbeitern 600 Ar
beiterinnen beschäftigt. Von den letzteren entfallen auf das Hand- und Maschinennähen circa
97 Percent, der Rest vertheilt sich auf die übrigen oben bezeichneten Arbeiten.
Schuhwaaren-Industrie.
Die Schuhwaaren-Industrie ist zur Zeit Gegenstand des Betriebes durch das Klein
gewerbe und des fabriksmässigen Betriebes. Im Kleingewerbe, in das man am richtigsten
jenen Meister reihen dürfte, der nach Mass arbeitet, wird dieser durch seine Gattin oder
seine Töchter iii der Herrichtung der Obertheile sowohl, wie in der Herrichtung des Sohlen
leders unterstützt. Es lassen sich daher bei dem Kleingewerbe bestimmte Zahlen in Bezug
auf denVerdienst oder die Menge der verwendeten Frauen nicht aufstellen. Anders Verhaltes sich
bei dem fabriksmässigen Betriebe, in welchem das Princip der getheilten Arbeit Eingang
gefunden hat. Durch ihn wurde der Frauenarbeit auch in dieser Industrie ein grosses Ar-