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Ein im Jahre 1872 (Februar) in Prag gegründetes Etablissement errichtete eine
Filiale in Gottesgab im Erzgebirge, woselbst ehemalige Spitzenklöpplerinnen für diesen
Industriezweig herangebildet wurden.
Die hiebei von Frauen und Mädchen besorgten Arbeiten sind:
1. Das Steppen der Obertheile und Lackspitzen.
Diese Arbeit geschieht auf Nähmaschinen, u. z. sind deren in dieser Fabrik 52 in
Thätigkeit.
Zur Erlernung der Arbeit ist je nach der Anstelligkeit des Mädchens eine Lehrzeit
von 14 Tagen bis zu 3 Monaten erforderlich.
Die einfachste Arbeit, welche das Mädchen zuerst verrichtet, ist das Zusammennähen
des Stoffes, sowohl des Futter- als des Oberstoffes. Darnach fängt die Arbeiterin an,
einfache Steppereien am Obertheile auszuführen. Die Befähigung hiefür hat sie, wenn sie
geradelinig nähen kann. Nach längerer Uebungszeit beginnen befähigte Arbeiterinnen mit
Zierstepperei aus freier Hand und ohne Vorlagen, wobei es sich zumeist um correcte
Durchführung der Verzierungen handelt.
Die- Arbeiterinnen sind theils im Hause, theils ausser der Fabrik beschäftigt. In
der Fabrik währt die regelmässige Arbeitszeit 11 Stunden. Die Entlohnung findet pei
Stück statt.
Bei den Lackspitzen werden die Arbeiterinnen per Dutzend mit 30 bis 70 kr. entlohnt,
und kann ein Mädchen des Tages 5 bis 8 Dutzend einfacher Art fertig machen.
Bei Obertheilen beträgt der Lohn, und zwar bei einfachen Kinder-Obertheilen 70 kr., bei
verzierten bis 3 fl. per Dutzend. Von ersteren ist die Arbeiterin bis 3 Dutzend täglich zu
liefern im Stande, bei verzierten hat sie mit 1 Dutzend per Tag reichlich zu thun.
Im Durchschnitte verdienen sich die Arbeiterinnen in der Fabrik 7 bis 9 fl., ausser dem
Hause 7 bis 8 fl., und jene in Gottesgab 6 bis 7 fl. per Woche.
Die Arbeiterinnen in der Fabrik bekommen den Stoff, die Seide und Nadeln und das
nöthige Oel zum Einölen der Maschine; jenen ausser der Fabrik werden nur Stoff und
Seide ausgefolgt; die Maschinen liefert der Fabriksbesitzer, doch gibt es Arbeitererinnen,
welche ihre eigenen Nähmaschinen besitzen.
2. Das Annähen der Strupfen, das Einfassen und Annähen der Zungen,
das Einschlagen der Oesen mittelst einer Handmaschine und das
Zusammenreihen der fertigen Obertheile in Dutzende wird von Mädchen besoigt,
welche per Woche mit 4 bis 5 fl. entlohnt werden.
Im Ganzen sind in der oben erwähnten Fabrik 72 Mädchen und Frauen, im Alter
von ca. 18 bis 30 Jahren beschäftigt.
Fabrikation künstlicher Blumen.
Ueber diesen Industriezweig, in welchem weibliche Arbeitskräfte vorwiegend zur
Verwendung kommen, ist Folgendes zu bemerken:
Die am allgemeinsten verwendeten Materialien sind: Gewebte. Stoffe, namentlich
Battist, Vapeur, Mousselin, Krepp, Moll, Satin, Tafft, Atlass, Woll- und Seidensammt und
Papyrus; ferner Seide, Baumwolle, Papier, roher und gewalzter Kautschuk, Federn, Glas
in Gestalt von Früchten und Thautropfen. üeberdies bietet die Natur se 1 bst Manches,